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Feindwärts der Mauer

Das Ministerium für Staatssicherheit und die West-Berliner Polizei

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Die West-Berliner Polizei war die am intensivsten durch den DDR-Staatssicherheitsdienst überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. West-Berlin lag aus Sicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) feindwärts der Mauer. Der Staatssicherheitsdienst sah in der West-Berliner Polizei eine bewaffnete gegnerische Kraft, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Deswegen versuchte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mit immensem Aufwand, alles über die personelle, räumliche und sächliche Ausstattung der West-Berliner Polizei in Erfahrung zu bringen. Bislang wurden keine vergleichbaren Datensammlungen zu einer anderen West-Berliner Institution festgestellt. Der Forschungsverbund SED-Staat hat im Auftrag des Polizeipräsidenten in Berlin die MfS-Akten zur West-Polizei ausgewertet und in dieser Studie zusammengefasst.
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Einführung Jochen Staadt

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Einführung

von Jochen Staadt

West-Berlin lag aus Sicht des DDR-Staatssicherheitsdienstes „feindwärts“ der Mauer. Die Ost-Berliner Sicherheitsorgane sahen in der West-Berliner Polizei eine „bewaffnete gegnerische Kraft“, die es im Krisenfall auszuschalten galt. Die West-Berliner Polizei war infolgedessen die am intensivsten durch Ost-Berliner Dienststellen überwachte Berufsgruppe im freien Teil der Stadt. Die Papierberge, die der Staatssicherheitsdienstes der DDR über die West-Berliner Polizei seit den 1950er Jahren zusammengetragen hat, enthalten neben der allgemeinen Berliner Politik- und Alltagsgeschichte, Interessantes und Absurdes aus dem Polizeidienst, eine schier unüberschaubare Gerüchtesammlung über Personen und Sachverhalte, eine Unmasse von Publikationen zu Polizeifragen, Medienberichte, tausende von Blättern aus allgemein zugänglichem wie auch internem Verwaltungsschriftgut, Dienstordnungen, Geheime Verschlußsachen und noch geheimere Informationen aus dem Ermittlungs- und Strafverfolgungsbereich sowie tausende mehr oder weniger detaillierte Personenhinweise zu Polizeibeamten aller Dienstebenen. Ende der sechziger Jahre verfügte das MfS bereits über eine besondere Personalkartei (Kerblochkartei), in der 7 209 West-Berliner Polizeibeamte mit Angaben zur Dienststellung und Privatadressen erfaßt waren. Im Ost-Berliner Volkspolizeipräsidium existierte daneben eine weitere Kartei mit über 11 000 Privatadressen von West-Polizisten. Nach der Einführung der EDV-Erfassung und der Ausweitung der Zuständigkeit für die West-Berliner Polizei auf mehrere MfS-Diensteinheiten gelang dem MfS bis Ende der 1980er Jahre die Registrierung von etwa 80 Prozent der im West-Berliner Polizeidienst beschäftigten Personen.

Die Federführung der Spionage gegen die West-Berliner Polizei durch das MfS lag bis 1972 bei der Bezirksverwaltung Groß-Berlin...

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