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Zwischen Ideal und Ambivalenz

Geschwisterbeziehungen in ihren soziokulturellen Kontexten

Edited By Ulrike Schneider, Helga Völkening and Daniel Vorpahl

Der Sammelband bietet einen interdisziplinären Überblick über die Darstellung von Geschwisterbeziehungen und die Verwendung geschwisterbezogener Termini innerhalb abendländischer sowie antiker nahöstlicher Kulturtraditionen. Zum einen erörtern die Autoren spezifische Darstellungsformen, Prämissen und Funktionen exemplarischer Geschwisterpaare in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Philosophie und historischer, gesellschaftspolitischer sowie religiöser Tradition. Zum anderen befassen sie sich mit den jeweiligen metaphorischen Rezeptionen und Adaptionen geschwisterlicher Termini, Motive und Zuschreibungen.
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Themen, Kontexte und Perspektiven sozial- und individualpsychologischer Geschwisterforschung – Ein Überblick (Helga Völkening)

Themen, Kontexte und Perspektiven sozial- und individualpsychologischer Geschwisterforschung – Ein Überblick

Helga Völkening

Abstract

In his psychological and psychoanalytic treatises Alfred Adler mainly analyzed how the birth order shapes the personality of siblings. Since the second half of the 20th century further factors of the personal development and especially of the nature and quality of sibling relations were taken into account. Sibling relations in general proved to be ambivalent: in addition to closeness, bond and solidarity they are characterized by rivalry and segregation mechanisms.

Geschwister und Geschwisterbeziehungen als Gegenstand der Forschung

Die gegenwärtige Geschwisterforschung ist in verschiedenen Teildisziplinen der Sozial- bzw. Humanwissenschaft verortet. Zu den beteiligten Fachbereichen zählen neben der Individual- bzw. Entwicklungspsychologie ferner die Soziologie und Ethnologie sowie die Pädagogik resp. Verhaltensgenetik.1

Disziplinübergreifend lässt sich seit den 1980er Jahren eine signifikante Intensivierung, Systematisierung und Differenzierung der Geschwisterforschung feststellen,2 welche mit einem generellen psychologischen Perspektivwechsel einhergeht: In Ergänzung zu den bisher vorrangig fokussierten vertikalen Bezie ← 65 | 66 hungen (z.B. Eltern-Kind-Triade3) erhalten nun auch horizontale Bezüge – zu Geschwistern, zu Freundinnen und Freunden (Peer Group) oder dem Partner bzw. der Partnerin – besondere Aufmerksamkeit. Zusätzlich zur zentralen Relevanz, die speziell Geschwistern in diesem Rahmen gemeinhin für die individuelle (soziale) Persönlichkeitsentwicklung zugesprochen wird, akzentuieren die Autoren in ihren psychologischen und sozialwissenschaftlichen Beiträgen nun vor allem die charakteristische Besonderheit der geschwisterlichen Bindung als eine der „verfügbarsten, intensivsten und dauerhaftesten“4 zwischenmenschlichen Beziehungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingeht.

Konstellationen und Determinanten der Geschwisterbeziehung

Genealogische Geschwisterposition

Der Beginn der wissenschaftlichen (psychologischen) Geschwister-Erforschung wird zumeist mit der 1927 publizierten Abhandlung Menschenkenntnis von Alfred Adler verbunden,5 der folglich auch als „Pionier“6 oder „Vater der Geschwisterforschung“7bezeichnet wird. Als Individual- bzw. Entwicklungspsychologe galt Adlers Forschungsinteresse insbesondere der Interferenz zwischen Geschwisterposition sowie psychosozialer Entwicklung8 und somit der Frage, inwiefern die genealogische Stellung innerhalb der geschwisterlichen Geburtenfolge (jüngstes, ältestes, mittleres Kind) die individuelle Persönlichkeit bestimmt. Seine unter den Bezeichnungen „Familienkonstellation“ oder „Geschwisterposition“ bzw. „Geschwisterrang“ in die Forschung eingegangenen Thesen, Schlussfolgerungen und Begrifflichkeiten prägten nicht nur über Jahrzehnte die anschließende wissenschaftliche Beschäftigung, sondern fanden zugleich in popularisierter Form Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch (z.B. ,Nesthäkchen‘, ,Sandwichkind‘, ,Entthronung des Erstgeborenen‘).

Adlers Hauptthese besteht in der Annahme bzw. Überzeugung, dass die „Persönlichkeit von Menschen“ „aufgrund ihrer Position in der Geschwister ← 66 | 67 reihe typologisiert werden“9 kann. Konkret unterschied er fünf „Geschwistertypen“ mit zwar idealtypischen, aber durchaus kombinierbaren Positionen innerhalb der Geschwisterfolge: der/die Einzige, Älteste, Zweite, Jüngste und Mittlere.10 So erhalte beispielsweise das einzige Kind die „ungeteilte Anerkennung und Zuwendung“ seitens der Eltern, erfahre sich somit als etwas Einmaliges, „Besonderes“. Bekommt es allerdings einen Bruder oder eine Schwester, werde bzw. fühle es sich „gleichsam ,entthront‘“11, da es nun (nicht nur, aber vor allem) die Aufmerksamkeit der Eltern, mit seinem jüngeren Geschwister teilen muss. Infolgedessen und zur Kompensation dieser Entthronungserfahrung – so Adlers Schlussfolgerung – sei Erstgeborenen in erster Linie an Macht, Machtdurchsetzung und -erhalt gelegen.12

Das zweite Kind hat dagegen nie die einzigartige Stellung und ungeteilte Aufmerksamkeit erfahren, die einem ersten Kind entgegengebracht wird. Es ist stattdessen von Vornherein mit seinem älteren Geschwister konfrontiert und wird folglich bereits in eine (sekundäre) Geschwisterposition bzw. -hierarchie hineingeboren. Wenn es sich allerdings zugleich um das jüngste Kind handelt, besäße es zumindest wiederum eine einmalige, wenn auch andersartige Position als letztes Glied innerhalb der Geschwisterfolge und erhielte als solches gemeinhin ebenfalls eine besondere Behandlung resp. spezielle Zuwendung.13 Obwohl bzw. auch wenn Geschwister somit gemeinsam in einer Familie aufwachsen, gestalten sich ihre Sozialisationserfahrungen – diesen Prämissen zufolge – als durchaus divergent. Denn die persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Kontexte werden durch die jeweilige Stellung in der Geschwisterfolge unterschiedlich determiniert.14

Im Anschluss an Adlers Thesen entstanden zahlreiche empirische Untersuchungen und theoretische Abhandlungen, in denen Korrelationen zwischen der geschwisterlichen Geburtenfolge und der Persönlichkeitsentwicklung (Charaktereigenschaften, Lebensstil) vorausgesetzt bzw. eruiert wurden (sog. birth- ← 67 | 68 order-effects).15 Exemplarisch sei an dieser Stelle Walter Toman genannt, der den Einfluss der Familienkonstellation auf die menschliche Entwicklung „aus sozialpsychologischer und persönlichkeitstheoretischer Sicht“ untersuchte und „für jede Position innerhalb der Familie bestimmte Persönlichkeits- und Charaktermerkmale“16 ermittelte. In seinen empirischen Studien kam er zu dem Ergebnis, dass die ältesten Geschwister und Einzelkinder ihren jüngeren Geschwistern in der Regel intellektuell überlegen seien, während letzteren zumeist eine größere Kompetenz im sozialen Bereich zugesprochen werden könne.17

Ebenfalls an den Prämissen der Geschwisterkonstellationsforschung orientiert, führt der Wissenschaftshistoriker Frank Sulloway schließlich den biologischen Begriff der „Nische“ ein,18 indem er die Verschiedenheit der Geschwister primär mit einer unterschiedlichen Nischenbesetzung innerhalb des familialen Systems begründet19: Jüngere Geschwister fänden bereits belegte Nischen vor und müssten demnach alternative Positionen bzw. Rollen innerhalb der Familie finden. Nahezu zwangsläufig oder zumindest des Öfteren stellten sie in diesem Zusammenhang „den Status quo in Frage“ 20 bzw. seien gezwungen, „größere Offenheit für Erfahrungen“21 auf alternativem Gebiet zu entwickeln. Demgegenüber orientierten sich die ältesten Geschwister häufiger an den Eltern. Sie seien somit grundsätzlich angepasster und konservativer und wiesen gemeinhin ein dominanteres, machtorientierteres Sozialverhalten auf als ihre jüngeren Geschwister.22 ← 68 | 69

Neuausrichtung der Geschwisterforschung: Multiperspektivität

Seit den 1970er23 und vor allem in den 1980ern Jahren wird zunehmend die Engführung auf die Geburtsfolge und somit konkret die Eindimensionalität der traditionellen Geschwisterpositionsforschung kritisiert24 sowie auf zusätzliche, relevante Determinanten und die Bedeutung bisher vernachlässigter interaktiver Prozesse hingewiesen.25 Als weitere signifikante Faktoren bzw. Variablen, welche die Geschwisterbeziehung zusätzlich zur Geburtsfolge maßgeblich beeinflussen bzw. bedingen, nehmen die Untersuchungen neben der Gesamtzahl der Geschwister, dem Altersabstand und Geschlecht der jeweiligen Geschwister26 auch individuelle Anlagen (Persönlichkeitsmerkmale, Fähigkeiten und Eigenschaften) resp. biographische Erfahrungen verstärkt in den Blick.27

Darüber hinaus wird gegenwärtig u.a. die methodische Vorgehensweise sowie das Fehlen eines „integrative[n] theoretische[n] Ansatzes“28 innerhalb der Geschwisterpositionsforschung bemängelt und ,normative Abweichungen‘ resp. alternative Familienkonstellationen in größerem Maße berücksichtigt. Folglich erhalten nun auch Geschwister mit Beeinträchtigungen29 oder in Trennungs-, Patchwork-, Stief- und Adoptionsfamilien sowie aus anderen Kulturkreisen30 ← 69 | 70 erhöhte und differenziertere Aufmerksamkeit. Zugleich wird der Fokus auf die gesamte menschliche Lebensdauer ausgeweitet.31 Der Pädagoge, Familienforscher und Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten fasst den hiermit verbundenen Paradigmenwechsel komprimiert zusammen, wenn er feststellt:

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen nicht mehr vordergründige Effekte strukturell einfacher Variablen (wie Geburtsrangplatz), sondern die dahinterliegenden, verursachenden Prozesse und Wechselwirkungen. Intra- und interindividuelle Ähnlichkeiten und Unterschiede und auch kulturelle Variabilität werden stärker berücksichtigt. Der Blick richtet sich nicht mehr nur auf die frühen Entwicklungsstufen, sondern auch auf spätere Abschnitte und die gesamte Lebensspanne […].32

In Abgrenzung zur Geschwisterrang- oder Geschwisterpositionsforschung wird diese multiperspektivische wissenschaftliche Annäherung explizit als „Geschwisterforschung“ bezeichnet.33

Lebenszyklische Dynamik der Geschwisterbeziehung

Verstärkt wird in Geschwisterstudien und theoretischen Abhandlungen neueren Datums die besondere Konstellation akzentuiert, dass die Geschwisterbeziehung eine „intragenerationale“34 und somit eine dauerhafte, zumeist sogar die zeitlich längste Bindung im Lebenslauf eines Menschen darstellt.35 Andere Beziehungen weisen demgegenüber zumeist eine engere zeitliche Limitierung auf: Der Kontakt zu den Eltern bricht in der Regel durch deren Tod im mittleren oder späteren Erwachsenenalter unwiderruflich ab und Beziehungen zu Freund_innen, Lebensgefährt_innen sowie Kolleg_innen können jeweils flexibel zu verschiedenen Zeiten im Laufe des Lebens beginnen bzw. enden oder sogar nur für einen (sehr) kurzen Zeitraum Bestand haben. Neben dieser grundsätzlichen Konstante betonen und analysieren Geschwisterforscher_innen zudem die Prozesshaftigkeit, Dynamik und Modifikation von Geschwisterbeziehungen sowie ihre variable, individuelle Bedeutung innerhalb verschiedener Stadien der Persönlichkeitsentwicklung und -entfaltung. Vermehrt werden in Langzeitstudien36, ← 70 | 71 Querschnitts- bzw. retrospektiven Erhebungen37 sowie in empirischen und biographischen Untersuchungen folglich Personen bzw. Geschwister im reiferen Lebensalter in den Blick genommen. Sie verweisen auf eine prinzipielle lebensgeschichtliche Varianz hinsichtlich der Beurteilung, Intensität und Qualität der Geschwisterbeziehung. Stehen doch beispielsweise Phasen der unmittelbaren und oft auch konfliktreichen (räumlichen) Nähe während der gemeinsamen kindlichen Sozialisation nicht selten Zeiten des geringeren Kontakts nach Gründung eines eigenständigen Hausstands bzw. einer eigenen Familie in den mittleren Erwachsenenjahren gegenüber. Auch ist im Alter eine häufige Wiederannäherung sowie Affirmation der Beziehung mit Blick auf die Kontakthäufigkeit und -intensität unter Geschwistern festzustellen.38

Dennoch bildet die Periode der (frühen) Kindheit als traditioneller Zeitraum des gemeinsamen Aufwachsens in (räumlicher) Nähe, mit geteilten Erfahrungen und (größtenteils) kongruenter Sozialisation im Rahmen der Primärfamilie39 weiterhin den vorrangigen inhaltlichen Schwerpunkt, Fokus und Bezugsrahmen der Geschwisterforschung.40 Dies ist nicht zuletzt dem Sachverhalt geschuldet, dass die in ihren Primärfamilien aufwachsenden Kinder und Jugendlichen empirisch (leichter) zu erfassen sind und die Komponenten sowie Modalitäten der Beziehung aufgrund der räumlichen und emotionalen Nähe besser erschlossen und analysiert werden können. Demgemäß sind Geschwisterstudien noch immer in der Majorität auf den Zeitraum der Kindheit bis zur Adoleszenz bezogen und bieten gerade für diese Lebensphase differenzierte Erkenntnisse. Verstärkt kommen in diesem Rahmen sodann nicht nur Momente der Qualität und Art der Geschwisterbeziehung, sondern auch ihre Bedeutung und Funktion für die Persönlichkeitsentfaltung, für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung, ← 71 | 72 Prägung und Sozialisation sowie die von außen Einfluss nehmenden Faktoren aus entwicklungspsychologischer und soziologischer Perspektive zur Sprache.

Lebensalter und Altersabstand

Neben der Geburtenfolge und dem Wandel der geschwisterlichen Beziehung im Laufe des Lebens wird in der gegenwärtigen Geschwisterforschung dem jeweiligen Alter bzw. dem Altersunterschied der Geschwister ein besonderer Stellenwert in Bezug auf die Intensität und Qualität der geschwisterlichen Interaktion und der Persönlichkeitsprägung zugeschrieben. Bisher allenfalls implizit innerhalb der Zwillingsforschung in seiner Relevanz erfasst, wendet sich eine Vielzahl jüngerer Studien dieser Determinante der Geschwisterbeziehung nun explizit zu. So betont bereits Fishel den Einfluss des zeitlichen Abstands auf „die Auswirkungen der Geschwisterstellung und die Beziehungen innerhalb der Geschwisterhierarchie“, konstatiert allerdings zudem relativierend:

Geschwister, die im Abstand von fünf oder mehr Jahren geboren wurden, zeigen beispielsweise häufig einige der Merkmale von Einzelkindern, und ein in der Mitte geborenes Kind mag ebenso auch das Älteste von einer zweiten Geschwistergruppe sein.41

Gemeinhin korreliert – so die Mehrzahl der Studien – ein geringerer Altersabstand mit größerer Intimität, zahlreicheren Interaktionen und intensiveren Kontakten (Spiel etc.), mit nivellierten Statusdifferenzen,42 konvergenten Lebenswelterfahrungen sowie einer weitgehend synchronen Wahrnehmung und Behandlung seitens der Eltern bzw. des weiteren Umfelds. Andererseits beinhalte die geringe Altersdistanz gerade aufgrund dieser weitreichenden Nähe zumeist größeres Konfliktpotential und befördere Abgrenzungstendenzen.43 So trete Rivalität zwischen Geschwistern grundsätzlich umso ausgeprägter auf, je geringer der Altersunterschied ist.44 Diese Korrelation wird vor allem für den Zeitraum der primären Sozialisation und Adoleszenz festgestellt.45 Als Demar ← 72 | 73 kationslinie gelten hierbei zumeist drei bis vier bzw. fünf Jahre. Einen Rückgang der „Rivalität- und Konfliktneigung“ stellt Peter Kaiser „bei einem Altersabstand von mehr als vier Jahren“46 fest. Zudem eruiert er bei einer Distanz von ca. vier Jahren „einen positiven Synergieeffekt“ 47: Ältere Geschwister nähmen in dieser Konstellation verstärkt eine Mentoren-, Beschützer- sowie Lehrerrolle ein bzw. fungierten des Öfteren als Vorbild für ihre jüngeren Geschwister.48

Im Erwachsenenalter determiniert der Altersabstand jedoch nicht mehr in gleichem Maße die Modalität und Qualität der Geschwisterbeziehung: So nivelliert sich beispielsweise ein in der Kindheit ungleiches, seitens des älteren Geschwister dominiertes Verhältnis laut Vera Bollmann in der Regel nach dem gemeinsamen Eintritt in den Erwachsenenstatus. Die Qualität bzw. Nähe der Beziehung erwachsener Geschwister werde dann hauptsächlich oder zusätzlich seitens weiterer Faktoren beeinflusst.49

Elterliche Einflussnahme

Ein entscheidender Einfluss auf die Qualität des geschwisterlichen Verhältnisses und hinsichtlich der Übernahme altersadäquater Rollen seitens der Geschwister wird in der gegenwärtigen Forschung den Eltern (oder weiteren sozialen Bezugspersonen wie z.B. Erzieher_innen oder Lehrer_innen) zugeschrieben. Diese würden beispielsweise durch Einbezug und Vorbereitung des/der älteren Geschwisterkindes/r hinsichtlich der Geburt eines (neuen) Geschwisters auf die (entstehende) Geschwisterbeziehung einwirken bzw. jene prädeterminieren und könnten somit ein nahes, fürsorgliches innergeschwisterliches Verhältnis initialisieren. Positive Wechselwirkungen auf das Geschwisterverhältnis würden sich des Weiteren in der Regel ergeben, wenn die Eltern ihre Kinder altersgerechtindividuell behandeln, fördern bzw. fordern. Hinsichtlich des Anbahnens der geschwisterlichen Beziehung hieße dies, dass die Eltern das ältere Geschwister ← 73 | 74 kind in angemessenem, nicht überforderndem Maße in eine fürsorgende und vorbildhafte oder unterweisende Rolle einführen und es bei entsprechender Übernahme bzw. Ausfüllung seiner Rolle positiv bestärken.50 Andererseits könnten Eltern aber auch bestehende Rivalitäten, Eifersucht und Neid durch wertende Vergleiche zwischen Geschwistern, mittels offensichtlicher Bevorzugung bzw. Benachteiligung einzelner oder nicht altersgemäßer Erwartungen sowie Behandlung lancieren bzw. befördern.51 Durch eine weitgehende Gleichbehandlung altersnaher Geschwister bei gleichzeitiger Wahrnehmung der geschwisterlichen Einheit und der jeweiligen Individualität könnten Eltern oder weitere Bezugspersonen zudem eine besondere Verbundenheit sowie eine annähernd synchrone Ausgangs- und Entwicklungsbasis stiften.52 Andererseits protegierten sie aber auch eine De-Identifikation sowie Abgrenzung vom jeweils anderen Geschwister53, indem sie beispielsweise selbst in erster Linie die Unterschiede ihrer Kinder fokussieren, artikulieren und folglich ihre jeweilige Individualisierung unterstützen.54

Geschlechtszugehörigkeit

Große Bedeutung wird gegenwärtig des Weiteren dem vor allem in der Geschwisterpositionsforschung lang vernachlässigten Moment des Geschlechts zugesprochen. Neben differenzierteren Untersuchungen hinsichtlich homogener und heterogener Geschlechtskonstellationen zwischen Geschwistern erhalten dabei vor allem Schwestern(-beziehungen) in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit.55 ← 74 | 75

Bei der Fokussierung von Geschwisterverhältnissen mit (größerem) Altersabstand wurde bereits des Öfteren hinsichtlich des jeweiligen Geschlechts differenziert und hierbei vor allem das Einwirken älterer Schwestern hervorgehoben.56 Diese beeinflussen den Studienergebnissen zufolge die soziale und kognitive Entwicklung des bzw. der jüngeren Geschwister zumeist positiv(er), indem sie sich der/dem/den Jüngeren in besonderem Maße annähmen, stärker auf sie eingingen, jene anleiteten, lehrten und prägten57 oder als Mentorinnen58 fungierten. Hiermit entsprächen sie dann zumeist auch einer passiven59 oder aktiven elterlichen resp. gesellschaftlichen Rollenzuschreibung bzw. -erwartung60 an ihre Person und könnten bei weitgehender Erfüllung derselben in der Regel entsprechende Anerkennung seitens der Eltern oder anderer (Bezugs-)Personen erwirken.

Demgegenüber werden nahezu übereinstimmend Kindern und Jugendlichen mit geringem Altersabstand und gleichem Geschlecht ein höheres Maß an Konfliktpotenzial und Rivalität, aber auch eine engere Verbundenheit sowie Nähe zugeschrieben als gemischtgeschlechtlichen Geschwister(paare)n mit größerer altersbezogener Distanz.61 Primär bei Jungen seien Konkurrenz bzw. Rivalität in besonderem Maße vorherrschend.62 Zwar seien diese Konfliktmomente auch hinsichtlich Schwestern (latent) vorhanden, hier heben die meisten Forscherinnen und Forscher aber vorrangig die eruierte exklusive Nähe und Solidarität hervor.63 ← 75 | 76

Implikationen der Geschwisterbeziehung

Nähe und Verbundenheit

Geschwister, die in einem Haushalt aufwachsen, sind allein aufgrund äußerer Bedingungen und Festlegungen oft eng aufeinander bezogen. Sie müssen des Öfteren ein Kinderzimmer bzw. einen Schlafraum teilen. Zudem wird gemeinhin von ihnen erwartet oder sie werden angeregt, sich gemeinsam zu beschäftigen. Auch ihre Sozialisationserfahrungen stimmen „sowohl im internen (d.h. familialen Kontext, gemeinsames Elternhaus) als auch im externen Kontext (d.h. diachrone Lebensverläufe, geteilte Normen und Werte, gemeinsames Welt-bild)“64 zumeist größtenteils überein. Folglich sind Gemeinsamkeiten und ähnliche Persönlichkeitsentwicklungen mit Blick auf Lebensentwürfe, -gestaltungen sowie -anschauungen vor allem bei altersnahen Geschwistern ebenso angelegt wie die Ausbildung von Gefühlen der Solidarität, Nähe und Vertrautheit.65 Die Geschwisterbeziehung kann daher auch als emotionale Gesinnungs- und Interessengemeinschaft bezeichnet werden.66

Eine solche Kongruenz, emotionale Verbundenheit und Intimität wird vor allem hinsichtlich geschlechtshomogener Geschwister(paare) mit geringem Altersabstand – und hier vor allem bezogen auf Schwestern – konstatiert.67 Schwestern ständen sich – wie u.a. eine Studie von Bert N. Adams belegt – besonders nahe bzw. am nächsten. So nannten 60 Prozent der Befragten Verbundenheit’, um ihr Schwesternverhältnis zu charakterisieren.68

Die letztlich implizierten, jedoch selten untersuchten Gefühle der gegenseitigen Loyalität bzw. Solidarität zeichnen sich laut Ulrich Schmidt-Denter konkret „dadurch aus, dass die Geschwister ihre Identität wechselseitig während des ganzen Lebens beeinflussten, dass sie sich miteinander identifizierten sowie zu Opfern und Verpflichtungen bereit waren.“69 Das schließt unter anderem die gegenseitige Hilfe und Unterstützung („,generative Solidarität“70) ein. Katharina Ley betont diesbezüglich zudem die „primäre positive Bezogenheit“ 71 unter Geschwistern als Ergebnis neuerer Forschungen. Stephen P. Bank und Michael ← 76 | 77 D. Kahn führen wiederum eine Wechselbeziehung von „Identifikation und Differenzierung“72 als charakteristische polare Grundstruktur innerhalb Geschwisterkonstellationen an, wobei das jeweilige Überwiegen bzw. eine etwaige Unterrepräsentation eines der beiden Momente die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen könne:

Bei Geschwisterpaaren mit starker Identifikation kann es so weit gehen, dass die Geschwister eine symbiotische Einheit bilden und kaum Individualität erkennen lassen. Im Gegensatz dazu gibt es Geschwister, die sich kaum miteinander identifizieren und sich dadurch wechselseitig beeinflussen, dass sie Merkmale des anderen für sich ausschließen.73

Identifizierungen figurieren Manfred Cierpka zufolge innerhalb altersunterschiedlicher Geschwisterdyaden konkret in der Form, dass die jüngeren Geschwister dazu neigen, „ihre älteren Geschwister zu imitieren, zu bewundern und ihnen nachzueifern.“74 Vor allem von genderhomogenen, altersnahen Geschwistern werde darüber hinaus bereits seitens des „gesellschaftlichen und sozialen Umfelds erwartet, dass sie sich ähnlich verhalten“ 75, so dass hier zudem die geschlechtsspezifische Sozialisation bzw. Rollenzuweisung homogenisierend wirke bzw. wirken könne.

Andererseits entstehe gerade aus der genannten Konstellation auch das Bedürfnis der Abgrenzung, der De-Identifikation bezüglich des geschwisterlichen Gegenübers und somit die Betonung und Ausbildung eigener Persönlichkeitsmerkmale sowie Individuationsbestrebungen.76 Schmidt-Denter setzt diese Entwicklung aus psychoanalytischer Sicht für gleichgeschlechtliche Geschwister zeitlich ab dem sechsten Lebensjahr an: „Jedes Kind betont nun seine Andersartigkeit, seine eigene Identität. Durch diesen Prozess entstehen Persönlichkeitsunterschiede zwischen den Geschwistern.“77 ← 77 | 78

Darüber hinaus beeinflussten allerdings ebenfalls die zuvor erwähnten vorgegebenen äußeren Faktoren (Geschwisterfolge, Alter, Geschlecht, Elternverhalten), die letztlich für jedes Individuum divergente familiale Erfahrungen beinhalten und entsprechend unterschiedlich prägen, die Ausbildung verschiedener Geschwisterpersönlichkeiten und -beziehungen. Neben den gemeinsamen Sozialisationserlebnissen (shared environment) werden somit in der gegenwärtigen Familienforschung auch die für die Geschwisterforschung relevanten, individuell unterschiedlichen Erfahrungen (non-shared environment78) und die divergenten persönlichkeitsbezogenen Voraussetzungen bzw. Ausgangslagen betont.79

Abgrenzung und Rivalität

Den De-Identifikations-, Abgrenzungs-, Differenzierungs- und Individuationsbestrebungen liegt letztlich das Moment der Geschwisterrivalität zugrunde, das sich allerdings nicht ausschließlich bzw. grundsätzlich negativ auswirkt.80 Aus tiefenpsychologischer Sicht gründet die Geschwisterrivalität im Trauma der „Entthronung“ der Erstgeborenen bei der Geburt des nachfolgenden Kindes.81 Laut einer Studie von Brian Sutton-Smith und Benjamin George Rosenberg82 (1970) ist Rivalität insbesondere in männlichen Geschwisterdyaden mit geringem Altersabstand und am niedrigsten zwischen geschlechtsheterogenen Geschwistern ausgebildet.83 Dies könne unter anderem in der direkten Vergleichs ← 78 | 79 möglichkeit und ähnlichen persönlichen, elterlichen und gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber gleichgeschlechtlichen Geschwistern begründet sein. Eltern könnten allerdings zumindest verstärkend oder mildernd einwirken.84

Zugleich bietet die Geschwisterbeziehung, so Willard W. Hartup, ein „besonderes Übungsfeld für Kontroll- und Regulationsmechanismen aggressiven Verhaltens“85, welches in vertikalen, asymmetrischen Eltern-Kind-Beziehungen nicht angemessen wäre und innerhalb der Peer Group zum Beziehungsabbruch führen könnte:

In Geschwisterbeziehungen wird erprobt, Spannungen unter Fortführung der Beziehung zu meistern. Der stabile Kontext ermöglicht wichtige Erfahrungen in der Bewältigung und Kontrolle aggressiver Motivationen.86

Resümee

Geschwisterbeziehungen gestalten sich somit stets individuell, durch diverse Faktoren unterschiedlich determiniert. Gleichzeitig sind sie dynamisch, da sie sich im Laufe des persönlichen Lebens oder auch in unterschiedlichen zeit- sowie kulturgeschichtlichen Kontexten durchaus variabel bzw. wandelbar erweisen und entsprechend unterschiedlich bewertet werden. Ihre Ambivalenz gründet einerseits in der Vorgegebenheit derselben, welche zumeist auf die gesamte Lebensspanne bezogen ist und darüber hinaus in der ihr inhärenten Nähe und Vertrautheit. Diese stellen letztlich eine unmittelbare Konsequenz der gemeinsam erlebten primären Sozialisation, weiterer geteilter Erfahrungen und vielfältiger geschwisterlicher Interaktionen dar und prägen die geschwisterliche Beziehung sowie die individuelle Persönlichkeit gemeinhin lebenslang. Für das Geschwisterverhältnis sind somit Identifikations- und De-Identifikationsprozesse gleichermaßen charakteristisch: Momente der Rivalität, des Neids, der Machtausübung und Aggression alternieren mit Gefühlen der Verbundenheit und Vertrautheit, gegenseitiger Loyalität, Unterstützung sowie Hilfe.

Als ebenfalls weitgehend horizontale, intragenerative Beziehung ähnelt letztlich die Freundschaft in vielerlei Hinsicht der Geschwisterbeziehung. Für beide sind gemeinsame entwicklungs- und zeitbezogene identitätsbildende ← 79 | 80 Sozialisationserfahrungen ebenso prägend wie die daraus resultierende (annähernde) Egalität innerhalb der Beziehungen, die emotionale Bindung und Fürsorge. Sie unterscheiden sich jedoch durch die freie Wählbarkeit der Freundschaftsbeziehung, durch die Möglichkeit ihrer vollständigen Aufhebbarkeit, die zumeist kürzere Dauer bzw. ihren späteren Beginn sowie hinsichtlich des divergenten familialen Kontextes.87 Positiv oder optimistisch ließe sich dies bezogen auf die Geschwisterbeziehung mit den Worten Susann Sitzlers wie folgt ausdrücken: „In dieser Beziehung schaffen wir etwas, was uns mit Freunden oft nicht gelingt: Wir können einen anderen Menschen annehmen, ohne Bedingungen an ihn zu stellen.“88

Literatur

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1      Vgl. Bollmann, Vera: Schwestern. Interaktion und Ambivalenz in lebenslangen Beziehungen. Wiesbaden 2012, S. 34 u. Labouvie, Eva: Zur Einstimmung und zum Band, in: dies. (Hrsg.): Schwestern und Freundinnen. Zur Kulturgeschichte weiblicher Kommunikation. Köln u.a. 2009, S. 11-31, hier S. 17.

2      Vgl. hierzu Kasten, Hartmut: Die Geschwisterbeziehung, Bd. 1. Göttingen 1993, S. 13 u. 15; Sohni, Hans: Einführung, in: ders. (Hrsg.): Geschwisterlichkeit. Horizontale Beziehungen in Psychotherapie und Gesellschaft. Göttingen 1999, S. 5-9, hier S. 6f.; Cierpka, Manfred: Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Geschwistern, in: ebd., S. 10-31, hier S. 1; Ley, Katharina: Geschwisterliche Räume. Stimmen der Horizontale im Geschwisterlichen und in der Psychotherapie, in: ebd., S. 67-81; Reberg, Sonja: Die Entwicklung der Geschwisterbeziehung unter handlungstheoretischer Perspektive. Eine Längsschnittstudie an Geschwisterpaaren mit zweijährigem Altersabstand. Frankfurt/ Main 2001, S. 43; Onnen-Isemann, Corinna: Geschwisterbeziehungen aus soziologischer Perspektive, in: dies.; Rösch, Gertrud Maria (Hrsg.): Schwestern. Zur Dynamik einer lebenslangen Beziehung. Frankfurt/Main, New York 2005, S. 23-36, hier S. 23 u. Onnen-Isemann, Corinna; Rösch, Gertrud Maria: Einleitung, in: ebd., S. 7-20, hier S. 8.

3      Exemplarisch seien hier die tiefenpsychologischen Analysen Sigmund Freuds genannt.

4      Schmidt-Denter, Ulrich: Soziale Beziehungen im Lebenslauf. Lehrbuch der sozialen Entwicklung. Weinheim, Basel 2005, S. 53.

5      Im Folgenden zitiert nach: Adler, Alfred: Menschenkenntnis. Köln 2008.

6      Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53. Vgl. auch Onnen-Isemann, Corinna; Rösch, Gertrud Maria: Schwesterherz – Schwesterschmerz. Schwestern zwischen Solidarität und Rivalität. Heidelberg 2006, S. 69.

7      Lüscher, Berit: Die Rolle der Geschwister. Chancen und Risiken ihrer Beziehung. Berlin 1997, S. 2. Vgl. Fishel, Elizabeth: Schwestern. Liebe und Rivalität innerhalb und außerhalb der Familie. Berlin u.a. 1979, S. 50.

8      Vgl. hierzu beispielsweise Bollmann: Schwestern, S. 33

9      Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 69. „Eine Situation besonderer Art ist nun in der Stellung gelegen, die ein Kind in der Reihe seiner Geschwister einnimmt. Auch nach diesem Gesichtspunkt können wir die Menschen einteilen und sind, wenn wir über genügend Erfahrung verfügen, imstande zu erkennen, ob jemand ein Erstgeborener, der Einzige, der Jüngste usw. ist.“ Adler: Menschenkenntnis, S. 134.

10    Vgl. ebd., S 134-140 u. Klosinski, Gunther: Verschwistert mit Leib und Seele – beglückt oder bestraft, in: ders. (Hrsg.): Verschwistert mit Leib und Seele. Geschwisterbeziehungen gestern – heute – morgen. Tübingen 2000, S. 9-18, hier S. 10.

11    Ebd., S. 10f. Der sog. Entthronung wird traumatisches Potenzial zugeschrieben. Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53.

12    Vgl. Adler: Menschenkenntnis, S. 137.

13    Vgl. ebd., S. 134-137 u. Klosinski: Verschwistert, S. 11.

14    Vgl. auch Bollmann: Schwestern, S. 34.

15    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53 (unter Berufung auf Brian Sutton-Smith und Benjamin George Rosenberg).

16    Bollmann: Schwestern, S. 33 zu: Toman, Walter: Familienkonstellationen. Ihr Einfluss auf den Menschen. München 2002. Vgl. demgegenüber die Studie von Karl König (Brothers and Sisters. A Study in Child Psychology. New York 1963), die „keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der Position in der Geschwisterreihe und spezifischen Charaktereigenschaften, Intelligenz oder Habitus bei seinen Probanden und Probandinnen“ ergab, allerdings deutliche Unterschiede „in Bezug auf soziale Kontaktfähigkeit“ „zwischen Erst- und Zweitgeborenen“ bilanzierte. (Bollmann: Schwestern, S. 33f.).

17    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53f.

18    Vgl. hierzu Sulloway, Frank: Der Rebell der Familie. Geschwisterrivalität, kreatives Denken und Geschichte. Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Berlin 1997.

19    Die Geschwisterposition bestimmt laut Sulloway „unser Verhalten mehr als unsere Gene, unser Geschlecht, unser Temperament und unsere soziale Schicht.“ Klosinski: Verschwistert, S. 9.

20    Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 54.

21    Ebd.

22    Er untermauert dies mit einem Verweis auf die überdurchschnittlich hohe Zahl bekannter (Führungs-)Persönlichkeiten, die sich aus den Reihen Erstgeborener rekrutieren, während unter den Rebellen, Erneuerern und Entdeckern signifikant mehr Zweit-, Nach- oder Spätgeborene als Erstgeborene oder Einzelkinder vertreten seien. Vgl. Klosinksi: Verschwistert, S. 11 u. mit konkretem Blick auf eine Familienkonstellation mit Schwestern: Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 70-76. „Streben nach Macht und Überlegenheit“ sowie einen „konservativen Zug“ hatte bereits Alfred Adler dem ältesten Geschwister zugeordnet. Vgl. Adler: Menschenkenntnis, S. 137.

23    Bereits in den 1970er Jahren beschäftigten sich vor allem angloamerikanische Frühpädagog_innen, Verhaltensgenetiker_innen und Entwicklungspsycholog_innen im Rahmen diverser Studien mit der Geschwisterbeziehung. Sie fanden jedoch in der deutschsprachigen Familienforschung wenig Resonanz. Vgl. hierzu auch Bollmann: Schwestern, S. 34.

24    In diesem Rahmen sind vor allem die Studien und Abhandlungen von Brian Sutton-Smith und Benjamin George Rosenberg sowie Sutton-Smith und Michael Lamb (1970 resp. 1982) zu nennen, in denen weitere Einflussfaktoren auf die Geschwisterbeziehung und die Entwicklung der Persönlichkeit eines Geschwisters einbezogen werden. Vgl. Reberg: Entwicklung, S. 43.

25    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53.

26    Vgl. Reberg: Entwicklung, S. 43 u. Onnen-Isemann; Rösch: Schwestern, S. 16.

27    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 55 u. Klosinski: Verschwistert, S. 12f.

28    Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 55.

29    Vgl. z.B. Kasten, Hartmut: Die Geschwisterbeziehung, Bd. 2: Spezielle Geschwisterbeziehungen. Göttingen u.a. 1993 u. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 55-59.

30    Interkulturelle Vergleiche hinsichtlich Geschwisterbeziehungen bieten z.B. Zukow, Patricia Goldring (Hrsg.): Sibling Interaction across Cultures. Theoretical and Methodological Issues. New York 1989 oder Kasten, Hartmut: Geschwister. Vorbilder, Rivalen, Vertraute. München 2003.

31    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53 u. 58.

32    Kasten: Geschwisterbeziehung. Bd. 1, S. 11.

33    Vgl. z.B. Bollman: Schwestern, S. 33-41.

34    Ebd., S. 46.

35    So z.B. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 65, unter Bezug auf Cicirelli, Victor G.: Sibling Relationships across the Life Span. New York, London 1995.

36    Vgl. z.B. die Langzeitanalysen von Vanessa Burholt und G. Clare Wenger (Differences over Time, in: Ageing and Society, Nr. 18 [1998], S. 537-562), welche die Qualität der Geschwisterbeziehung im Lebensverlauf untersuchen u. Bollmann: Schwestern, S. 52.

37    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 65.

38    Schmidt-Denter expliziert diesbezüglich: „In der postparentalen Phase sowie verstärkt zum höheren Lebensalter hin gibt es jedoch einen Trend zur Reintensivierung der Geschwisterbeziehungen (Neyer, 2002). Hierbei spielen kritische Lebensereignisse sowie bestimmte Entwicklungsaufgaben, die im Alter zu bewältigen sind, eine große Rolle. So können der Tod eines Ehepartners, die Pflegebedürftigkeit der Eltern oder das Bedürfnis nach bewährten sozialen Kontakten, die auch eine Brücke zur Vergangenheit bilden, die Geschwister wieder enger aneinander binden (Bedford, 1995).“ Ebd., S. 65. Vgl. hierzu auch Fishel (Schwestern, S. 93f.), Bollmann (Schwestern, S. 52f.), mit besonderem Fokus auf ältere Frauen sowie Onnen-Isemann: Geschwisterbeziehungen, S. 24.

39    Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 46.

40    Folglich stehen hier dann auch persönlichkeits- bzw. entwicklungspsychologische und Momente und Fragen, wie z.B. der Einfluss von Geschwisterbeziehungen auf die kognitive Entwicklung oder im Rahmen der Sozialisation, in besonderem Maße im Mittelpunkt. Vgl. z.B. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53 u. 64 u. Reberg: Entwicklung, S. 42f.

41    Fishel: Schwestern, S. 57.

42    Vgl. Kaiser, Peter: Schwestern im familialen Systemkontext, in: Onnen-Isemann; Rösch (Hrsg.): Schwestern, S. 65-88, hier S. 77f.

43    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 65 u. Reberg: Entwicklung, S. 185.

44    Vgl. hierzu beispielsweise Corinna Onnen-Isemann (Geschwisterbeziehungen aus soziologischer Perspektive, S. 24) und konkret in Bezug auf Schwestern: Onnen-Isemann; Rösch: Einleitung, S. 17.

45    Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 51; Schütze, Yvonne: Geschwisterbeziehungen, in: Nave-Herz, Rosemarie; Markefka, Manfred (Hrsg.): Handbuch der Familien- und Jugendforschung. Neuwied, Frankfurt/Main 1989, S. 311-324; Bank, Stephen P.; Kahn, Michael D.: The Sibling Bond. New York 1997 (deutsche Übersetzung: Geschwister-Bindung. Paderborn 1989).

46    Kaiser: Schwestern, S. 73.

47    Ebd., S. 77.

48    In optimaler Weise förderten speziell ältere Schwestern bei einem Altersabstand von vier bis fünf Jahren laut einer Studie von Christine Schmid und Monika Keller „die kognitive und soziomoralische Entwicklung ihrer Geschwister“ (Kaiser: Schwestern, S. 77). Vgl. hierzu auch die folgenden Ausführungen unter „Geschlechtszugehörigkeit“ sowie „Nähe und Verbundenheit“.

49    Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 51. Vgl. zudem die Schlussfolgerungen aus ihrer Fallanalyse: „Mit Beginn des Individualisierungsprozesses wirken andere Mechanismen (Partnerschaft, Bildung, Beruf) differenzierend oder auch verbindend auf die Schwesternbeziehung ein. Für die Qualität und Innigkeit der Beziehung spielt der Altersabstand, nachdem beide Schwestern den Erwachsenenstatus erreicht haben, keine Rolle mehr.“ Ebd., S. 232.

50    Vgl. Kaiser: Schwestern, S. 77 u. 83.

51    Vgl. Ley: Geschwisterliche Räume, S. 72; Kasten: Geschwisterbeziehung, Bd. 1, S. 167 u. 170; Fishel: Schwestern, S. 56; Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 62 u. Bollmann: Schwestern, S. 241.

52    Bollmann expliziert konkret hinsichtlich der Schwesternbeziehung: „Ein enger Altersabstand in der Kindheit hingegen evoziert häufig Nähe zwischen Schwestern, dies allerdings auch deshalb, weil sie von der Außenwelt als Paar (spacing) wahrgenommen werden, denen ähnliche Verhaltenserwartungen und -muster zugeschrieben werden. Diese frühe Prägung durch eine von außen rhythmisierende Alterstradierung führt dazu, dass sich zwei Schwestern als ähnlich empfinden und bestätigen bzw. reproduzieren die Norm durch Rollenübernahme.“ Ebd., S. 233.

53    Vgl. auch Kaiser: Schwestern, S. 73 u. Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 75.

54    Vgl. diesbezüglich die Wiedergabe der Forschungsergebnisse der Hallenser Geschwisterforscherin Inés Brock in: Sitzler, Susann: Geschwister. Die längste Beziehung des Lebens. Stuttgart 2014, S. 109.

55    Vgl. z.B. die bereits angeführten Abhandlungen: Bollmann: Schwestern; Fishel, Schwestern; Labouvie: Schwestern und Freundinnen; Onnen-Isemann; Rösch (Hrsg.): Schwestern; dies.: Schwesterherz.

56    Hierauf verweist bereits Walter Toman (vgl. Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 76). Onnen-Isemann und Rösch explizieren des Weiteren: „Beträgt der Altersabstand zwischen dem Erstgeborenen und seiner Schwester mehr als zwei Jahre, so akzeptiert der ältere Bruder die Jüngere fürsorglich und entwickelt dabei ein Gefühl der Verantwortung. Das Mädchen hingegen wird leicht die weiblichen Rollenvorgaben akzeptieren, insbesondere wenn die Eltern dieses Verhalten durch ihr eigenes Beziehungsmodell unterstützen. Ist die Reihenfolge umgekehrt und somit das Mädchen das ältere, so wird es leicht veranlasst – auch durch das Vorbild der Mutter –, die Verantwortung und die Fürsorge für den jüngeren Bruder zu übernehmen.“ Ebd.

57    Vgl. Kaiser: Schwestern, S. 77.

58    Vgl. ebd., S. 83 u. Bollmann: Schwestern, S. 40.

59    Passiv meint hier das Vorleben bzw. die Vorbildfunktion der Bezugspersonen.

60    Kaiser verweist auf höhere Erwartungen, die an ältere Schwestern hinsichtlich des Umgangs mit jüngeren Geschwistern gestellt werden. Vgl. Kaiser: Schwestern, S. 83. Vgl. zum Einfluss gesellschaftlich vermittelter geschlechtsspezifischer Normen auf die Biographie von Schwestern auch Bollmann: Schwestern, S. 79f.

61    Vgl. ebd., S. 40.

62    Vgl. exemplarisch Kasten: Geschwisterbeziehung, Bd. 1, S. 167.

63    Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 51.

64    Ebd., S. 46.

65    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 64.

66    Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 47.

67    Dieser folgt die Schwester-Bruder-Beziehung und zuletzt die Bruder-Bruder-Beziehung, der somit gemeinhin die geringste Vertrautheit diagnostiziert wird.

68    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 65.

69    Ebd., S. 64.

70    So Stephen Jay Gould (1989), zitiert nach Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 66, vgl. auch Cierpka: Unterschiede, S. 18.

71    Ley: Geschwisterliche Räume, S. 71.

72    Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 59.

73    Ebd., S. 60.

74    Cierpka: Unterschiede, S. 22.

75    Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 18.

76    Cierpka weist ist diesem Zusammenhang zusätzlich auf die Erfahrung hin, eigene Charakterisierungen oft anhand von Vergleichen zu den Geschwistern zu formulieren, wobei Unterschiede prinzipiell eher betont bzw. häufiger angeführt werden, während Gemeinsamkeiten seltener erwähnt werden (vgl. Cierpka: Unterschiede, S. 11). Vgl. zum Wechselverhältnis zwischen dem „Ausleben“ der Ähnlichkeit und dem „Bedürfnis nach Verschiedenheit“, speziell unter Schwestern auch Fishel: Schwestern, S. 146.

77    Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53. Vgl. auch ebd., S. 62. Willi (1996) und Sulloway (1995, 1997) beschreiben diesen Individuationsprozess mit dem bereits angeführten (verhaltens-)biologischen Begriff der „Nischenbildung“ oder der „Nischenspezialisierung als eine Strategie der koexistierenden Konkurrenz“. Die „Vermeidung von Nischenüberlappung bzw. „Nischenspezialisierung“ im familiären System gelte folglich als „eines der wichtigsten Motive, warum sich jedes Geschwister gegenüber den anderen möglichst unterscheiden will“. (Cierpka: Unterschiede, S. 16. Vgl. auch Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 54).

78    Der Begriff basiert auf der Vorstellung einer nicht geteilten Umwelt zwischen Geschwistern. Vgl. Bollmann: Schwestern, S. 35; vgl. auch Cierpka: Unterschiede, S. 24

79    So auch Schmidt-Denter: „Längere Zeit nahm man an, dass Geschwister denselben Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, da sie in identischen Familien leben und auch sonst ein vergleichbares soziales Netzwerk haben. Die neuere Forschung konnte jedoch einen überraschend großen Anteil nicht-gemeinsamer Umwelt aufzeigen (vgl. Hetherington et al., 1994). Bei der Konstruktion nicht-gemeinsamer Umwelten von Geschwistern sind zwei Mechanismen wirksam, zum einen unterschiedliche Einflüsse auf die Kinder, zum andern aber auch selektive Prozesse, die auf die Individualität der Kinder zurückzuführen sind“. (Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 58).

80    Fishel betont die Relevanz der Rivalität für die Förderung des Differenzierungs- und Individuationsprozesses, der „im Grunde genommen keine Schranke der Freundschaft, sondern in vielen Fällen ein notwendiger und natürlicher Teil davon“ sei (Fishel: Schwestern, S. 146).

81    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 53.

82    Sutton-Smith, Brian; Rosenberg, Benjamin George: The Sibling. New York 1970.

83    Vgl. Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 65f.

84    Vgl. Cierpka: Unterschiede, S. 23.

85    Schmidt-Denter: Soziale Beziehungen, S. 60.

86    Ebd., S. 61. Katharina Ley greift in diesem Zusammenhang den Gedanken der Geschwister als „,Übergangsobjekte‘ (Wellendorf 1995)“ auf, „Figuren zwischen den Eltern und späteren Freunden, Freundinnen, Kollegen, Kolleginnen, Geliebten. Mit Bruder und Schwester werden Probeläufe für die große Erweiterung der Lebensbühne durchgeführt, und zwar in der ganzen Vielfalt geschwisterlicher Gefühle von Liebe und Haß, Begehren und Ablehnung, konstruktiver und destruktiver Rivalität.“ Ley: Geschwisterliche Räume, S. 72.

87    Vgl. hierzu ausführlich: Bollmann: Schwestern, S. 48 u. Onnen-Isemann; Rösch: Schwesterherz, S. 112.

88    Sitzler: Geschwister, S. 17.