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Das Präsidium für Diyanet-Angelegenheiten der Republik Türkei

Geschichte und rechtliche Ausgestaltung

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Ramazan Uslubas

Der größte muslimische Dachverband in Deutschland ist die DITIB e.V., de facto der deutsche Arm des – in Deutschland meistens als «Diyanet» bezeichneten – türkischen Präsidiums für Diyanet-Angelegenheiten (DIB). DITIB e.V. gehört dem Koordinationsrat der Muslime (KRM) an und verfügt dort in vielen Fragen über eine Sperrminorität. Die deutsche Politik hat die DITIB e.V. lange Zeit als privilegierten Ansprechpartner behandelt und tut dies zum Teil noch heute. Aus diesen Gründen ist das Thema für die religionsverfassungsrechtliche Diskussion in Deutschland wie für das Verständnis der Situation in der Türkei von großer wissenschaftlicher Bedeutung, es ist aber auch für die religionspolitische Diskussion von erheblichem Interesse.
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2. Teil: Die Entwicklung des Verhältnisses von Staat und Religion unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung von Institutionen, welche im Zusammenhang mit der Erbringung von Diensten religiöser Art stehen

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Als Institutionen, die mit religiösen Diensterbringungen in Zusammenhang stehen, sind das Amt des Scheich-ül-Islam (Meşihat Makamlığı/Şeyhülislamlık/Meşihat-ı İslâmiyye), das Ministerium der sultanischen Stiftungen sowie das Ministerium für Schariarecht und Stiftungen zu nennen. Zum Teil wird behauptet, dass die DIB anstelle des Amtes des Scheich-ül-Islam gegründet worden sei.113 Auch wird versucht, zwischen der DIB und dem Amt des Scheich-ül-Islam eine Verbindung aufgrund ihrer Aufgaben herzustellen.114 In diesem Zusammenhang wird sogar behauptet, dass die DIB so viele Aufgaben wahrnimmt, wie sie im Osmanischen Reich nicht vorhanden waren.115

A. Das Amt des Scheich-ül-Islam

Das Osmanische Reich war – wie die türkische Republik zum Zeitpunkt ihrer Gründung auch – ein islamischer Staat, dessen Rechtssystem, Verwaltungsorganisation, kurzum dessen sämtliche Institutionen auf den Grundsätzen des islamischen Rechts basierten.116 Dem Padischach117 als Staatsoberhaupt oblag die Verantwortung für die ← 31 | 32 → Staatsverwaltung. Dabei galt die schariarechtliche Bindung sowohl für den Padischach selbst als auch für alle staatlichen Institutionen und war nicht auf das Amt des Scheich-ül-Islam begrenzt.118 Das Amt des Scheich-ül-Islam war damit nicht alleiniger Vertreter des islamischen Rechtes, da der Padischach zugleich auch Kalif war.119

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