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Publizistik und Politisierung der Frauenbewegung in der wilhelminischen Epoche

Die Zeitschrift «Die Frau» (1893–1914) – Diskurs und Rhetorik

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Christina Stange-Fayos

Mittelpunkt dieser sprachwissenschaftlich fokussierten Studie ist die von Helene Lange in Berlin begründete und über Jahrzehnte herausgegebene Monatsschrift Die Frau. Sie war das bedeutendste Sprachrohr der Gemäßigten in der bürgerlichen Frauenbewegung. Die Medienanalyse macht sich die Methoden der kritischen und historischen Diskursanalyse zu eigen, indem sie verfeinernd deren operatives Instrumentarium nutzt. Die vielfältigen diskursiven Verschränkungen werden dabei sichtbar, ebenso wie die Konflikte mit den anderen Fraktionen der Frauenbewegung und den in erster Linie männlichen Gegnern der Emanzipation. Trotz ihrer moderat dargebotenen Überzeugungsarbeit war Die Frau ein Kampfblatt, das die Interessen eines Großteils der bürgerlichen Frauenbewegung vertrat. Sie intendierte Revolution, allerdings im Gewand der Reform, welches sie gesellschaftsfähig und effizient machte. Die von Helene Lange vorgegebene Strategie, zwar zielstrebig und konsequent, aber langsam und bedacht vorzugehen, erwies sich langfristig als erfolgreich.
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Einleitung

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In der Presselandschaft des Kaiserreichs gab es verhältnismäßig sehr viel weniger von Frauen als von Männern herausgegebene Periodika. Die Gründe dafür waren sowohl gesellschaftlicher als auch juristischer Art. Die damaligen orthodoxen Kirchenkreise wollten der Frau weiterhin das Paulinische Schweigegebot auferlegen. Von staatlicher Seite wurden um 1850 in fast allen Bundesstaaten den Frauen jegliche politische Betätigung verbietende Vereinsgesetze erlassen (zum Beispiel das Preußische, welches bis 1908 in kraft blieb). Dies wirkte sich nachhaltig auf die Frauenbewegung und deren Publikationen aus. Die ebenfalls um 1850 verabschiedeten Pressegesetze der einzelnen Bundesstaaten, die Frauen ausdrücklich die Herausgabe und Redaktion politischer Zeitungen und Zeitschriften untersagten, waren jedoch schon früh gelockert worden und wurden 1874 durch das Reichsgesetz über die Presse revidiert; d.h. Frauen wurden als verantwortliche Redakteure nicht mehr – wie noch in der berühmten „Lex Otto“, dem sächsischen Pressegesetz von 1850 – ausdrücklich ausgeschlossen, vielmehr unter der männlichen Gesetzesform als Rechtsadressaten mitgedacht und berechtigt.1 In diesem Kontext erschienen immer mehr Frauenzeitungen und Frauenzeitschriften, die zunehmend den Anspruch erhoben, nicht mehr nur über religiöse, sondern auch gesellschaftspolitische Themen schreiben zu dürfen und dies auch tatsächlich taten. Diese Entwicklung ging mit derjenigen der deutschen Frauenbewegung einher.

Die deutsche bürgerliche Frauenbewegung erlebte zwischen 1894 und 1914 ihre Hochphase, mit der Gründung des Dachverbandes „Bund deutscher Frauenvereine“ (BDF) 1894 und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Im BDF schlossen sich politisch und gesellschaftlich unterschiedliche Vereine und Frauen zusammen,...

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