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Grenzüberschreitende Insolvenzverfahren in Südafrika

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Silvio Kupsch

Südafrika hat mit dem Cross-Border Insolvency Act 42 im Jahre 2000 als eines der ersten Länder das UNCITRAL Modellgesetz über grenzüberschreitende Insolvenzverfahren in die nationale Gesetzgebung übernommen. Der Autor unternimmt vor diesem Hintergrund einen Funktionstest des südafrikanischen Internationalen Insolvenzrechts insgesamt. Hierbei zieht er rechtsvergleichend auch die entsprechenden Regelungen des Europäischen Insolvenzrechts, des deutschen autonomen Internationalen Insolvenzrechts und von Rechtsordnungen heran, die ebenfalls das UNCITRAL Modellgesetz in ihre staatliche Gesetzgebung übernommen haben. Die Sichtweise des Autors ist zudem geprägt durch eigene, langjährige Praxiserfahrungen sowohl in einem Insolvenzverwalterbüro als auch anwaltlich beratend auf Gläubigerseite.
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Kapitel 1: Grundlagen des südafrikanischen Internationalen Insolvenzrechts

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Rechtswissenschaftliche Untersuchungen, insbesondere solche zum südafrikanischen Recht, beginnen häufig mit einem historischen Überblick.

Carl Friedrich von Savigny vertrat dazu allgemein die These, die Rechtsordnung sei eine der kulturellen Errungenschaften einer Gesellschaft und sei wie die Gesellschaft selbst durch ihre Geschichte geformt. Die Gesellschaft und ihre Rechtsordnung seien durch die gleichen politischen, religiösen und wirtschaftlichen Faktoren geprägt worden. Rechtsgeschichte war für ihn, so fasst es sein späterer Biograph zusammen, „mehr denn bloße elegante Zuthat zur Rechtsgelehrsamkeit“, sondern ein „wesentliches Hülfsmittel zur Erkenntniß des geltenden Rechtes“.14

Das Savignysche Verständnis von Rechtsgeschichte bildet auch den Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit. Kaum ein anderes Land römisch-rechtlicher Prägung kann eine derartige Kontinuität der Rechtsentwicklung aufzeigen wie Südafrika.15 Rechtsgeschichte ist hier ein täglicher Begleiter der Rechtspraxis, gerade auch im Internationalen Insolvenzrecht. Ein typisches Beispiel ist eine neuere Entscheidung des South Gauteng High Court. Auf der Suche nach Orientierung bei der Entscheidung über die grenzüberschreitenden Wirkungen einer südafrikanischen Restschuldbefreiung fand das Gericht lediglich einen vereinzelten Hinweis im südafrikanischen Schrifttum. Zwar gebe es englische Rechtsprechung zu dieser Frage, diese dürfe allerdings nur eingeschränkt konsultiert werden:

“Since the origins of our insolvency law are Roman-Dutch, reference to English bankruptcy cases must necessarily be very circumspect indeed.”16

← 5 | 6 → Im Anschluss daran analysierte das Gericht zunächst die Entwicklung der Restschuldbefreiung im holländischen und englischen Recht des 18. Jahrhunderts,...

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