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Grenzüberschreitende Insolvenzverfahren in Südafrika

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Silvio Kupsch

Südafrika hat mit dem Cross-Border Insolvency Act 42 im Jahre 2000 als eines der ersten Länder das UNCITRAL Modellgesetz über grenzüberschreitende Insolvenzverfahren in die nationale Gesetzgebung übernommen. Der Autor unternimmt vor diesem Hintergrund einen Funktionstest des südafrikanischen Internationalen Insolvenzrechts insgesamt. Hierbei zieht er rechtsvergleichend auch die entsprechenden Regelungen des Europäischen Insolvenzrechts, des deutschen autonomen Internationalen Insolvenzrechts und von Rechtsordnungen heran, die ebenfalls das UNCITRAL Modellgesetz in ihre staatliche Gesetzgebung übernommen haben. Die Sichtweise des Autors ist zudem geprägt durch eigene, langjährige Praxiserfahrungen sowohl in einem Insolvenzverwalterbüro als auch anwaltlich beratend auf Gläubigerseite.
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Kapitel 6: Parallelinsolvenzverfahren

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Die effiziente Abwicklung von Insolvenzverfahren mit grenzüberschreitenden Bezügen setzt ein hohes Maß an Kommunikation und Kooperation zwischen ausländischen und inländischen Gerichten und Insolvenzverwaltern voraus. Dies gilt insbesondere dann, wenn in Bezug auf ein und denselben Schuldner in verschiedenen Staaten miteinander konkurrierende Insolvenzverfahren er- öffnet wurden (Parallelinsolvenzverfahren).1143

Ausgangsüberlegung ist dabei, wie die effiziente Verfahrensabwicklung mit einem angemessenen Schutz der materiellen und prozessualen Rechte der Parteien optimal in Einklang gebracht werden kann.1144 Parallelinsolvenzverfahren bergen ein erhebliches Konfliktpotential zwischen den jeweiligen Insolvenzverwaltern und Insolvenzgerichten, das sich effizienzhemmend und damit letztlich zum Nachteil der Gläubigergesamtheit auswirkt.1145 Diese Konflikte könnten dadurch vermieden werden, dass das Recht nur ein weltweit einheitliches Insolvenzverfahren und keine weiteren Parallelverfahren zulässt.1146 Bedenken, die etwa ← 243 | 244 → hinsichtlich der Verfahrensdurchführung und der Rechte inländischer Gläubiger in dem ausländischen Verfahren bestehen, könnten durch direkte Kommunikation zwischen allen Beteiligten beseitigt werden.1147

Aus verschiedenen Gründen ist es jedoch häufig nicht sinnvoll oder nicht erwünscht, dass das Insolvenzverfahren grenzüberschreitend einheitlich durchgeführt wird.1148 Bei mehreren Parallelinsolvenzverfahren über das Vermögen desselben Schuldner gilt es, einem „beziehungslosen Partikularismus“1149 und einem Effizienzverlust zum Nachteil der Gläubiger entgegenzuwirken. Hierzu ist ein umfassender Informationsaustausch unter den Insolvenzverwaltern über Umstände sinnvoll, die für die Durchführung des jeweiligen Verfahrens von Bedeutung sein können. Auch die gegenseitige Konsultation über eine wirtschaftlich zweckmäßige Abwicklung der Gesamtinsolvenz, etwa durch Liquidation oder eine mögliche Reorganisation...

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