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Sprachen und Kulturen in Inter(Aktion)

Teil 2 – Linguistik, Didaktik, Translationswissenschaft

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Edited By Nikolaos Katsaounis and Renate Sidiropoulou

Transdisziplinäre Sichtweisen werfen interdisziplinäre wissenschaftliche Fragestellungen auf und eröffnen neue Forschungswege. Diesem Anspruch will der vorliegende Sammelband gerecht werden. Durch die Überschneidung der Disziplinen lassen sich Problembereiche der «Sprachen und Kulturen und ihre Interaktion» darstellen, welche die Komplexität der modernen Gesellschaften reflektieren und zu höheren Abstraktionsebenen führen. Die Beiträge beschäftigen sich mit linguistischen Themenbereichen im deutsch-griechischen und anderen Kontexten, Pragmalinguistik, fremdsprachlicher und Multiliteralitätsdidaktik, translatorischen Fragen sowie mit Interkulturalität und Spannungsfeldern v.a. deutsch-griechischer Divergenzen aufgrund der aktuellen politischen Lage.
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Das Land der Griechen in der Bildung suchend. Johann Fischarts Übertragung der pseudo-plutarchischen Schrift „peri paidōn agōgēs“ im zeitgenössischen Kontext

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Ronny F. Schulz1

Im Folgenden geht es um Johann Fischarts Bearbeitung der Moralia des Plutarchs in seinem Ehzuchtbüchlin (1578). Die Bearbeitung der pseudo-plutarchischen Schrift peri paidōn agōgēs stellt hierbei keine wörtliche Übertragung dar, sondern ist als Übertragung – im Sinne der translatio studii – der antiken Ethik auf die deutschen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts zu lesen. Auch wenn Fischart, wie seine deutschen Vorgänger, eine lateinische Übertragung von Plutarchs Werken heranzog, scheint vor dem Hintergrund des zeitgenössischen italienischen und deutschen Übersetzerdiskurses die Konsultation des griechischen Originaltextes möglich. Fischart sucht auch äußerlich den direkten Bezug seiner deutschen Bearbeitung zum griechischen Text und verweist somit auf ein neues ideologisches Konzept der translatio studii, welche er über die translatio imperii setzt.

Plutarchs von Chaironeia Moralia werden im 15. Jahrhundert durch die lateinischen Übersetzungen des Werks zu einer wichtigen humanistischen Quelle. Am Anfang des 16. Jahrhunderts wird Erasmus von Rotterdam die Werke des griechischen Biographen und Philosophen aufgrund ihres Moralgehalts neben die Bibel stellen (vgl. Hirzel, 117). Bald darauf entstehen in Italien, Deutschland und Frankreich die ersten volkssprachlichen Übersetzungen. Aus dem Plutarchus latinus wird ein Plutarchus vulgaris, ein Plutarch in den Volkssprachen. Damit wird in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts der Weg geebnet zu einer neuen Gattung, dem Essay – zu erinnern sei hier nur an seinen ersten großen Vertreter, Michel de Montaigne. ← 313 | 314 →

Unter den italienischen Übertragungen ist diejenige von Giovanni Tarcagnota und Antonio Massa hervorzuheben, welche die...

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