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Max Brods Frauenbilder

Im Kontext der Feminitätsdiskurse einiger anderer Prager deutscher Schriftsteller

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Agata Mirecka

Ein Blick auf die Forschungslage zeigt, dass Max Brod zur Gruppe von relativ unbekannten Schriftstellern gehört. Die Gründe dafür liegen in seinem Schattendasein neben Franz Kafka. Der Nachlass Max Brods befindet sich verstreut in verschiedenen Archiven, vor allem in Israel, Deutschland und Österreich. Sekundärliteratur, die aber vorrangig die Frauenfiguren und das Weibliche bei Max Brod darstellt, gibt es kaum. Diese Monographie setzt sich die Interpretation der Frauengestalten zum Ziel, wobei sie sich auf einige ausgewählte Romane und Erzählungen bezieht. Des Weiteren wird versucht, Brods Konzeption der Weiblichkeit ähnlichen Entwürfen anderer Prager deutschen Autoren wie Franz Kafka, Franz Werfel, Oskar Baum und Ludwig Winder gegenüberzustellen. Die Autorin präsentiert die Brodsche Sichtweise hinsichtlich des Weiblichen in der gesellschaftlich stürmischen Zeit von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis zum Tode des Autors.
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3. Genese des Prager Kreises

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57

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Prag neben Wien, Berlin und Paris zu den wichtigsten kulturellen Metropolen Europas. Die Eigenheiten der Stadt waren aber ganz andere als in Wien oder Berlin. In Prag lebten Tschechen, Juden und Deutsche nebeneinander. Ihr Zusammenleben war wesentlich vom Charakter der Stadt geprägt. Das damals hochaktuelle Problem der Identitätsschwierigkeit vieler, die sich als Juden fühlten, deutsch sprachen und unter Tschechen lebten, war in den Werken vieler Prager Autoren lebendig. Max Brod versuchte viele Jahre später seine eigene Position zur damaligen Zeit in seiner Autobiographie Streitbares Leben folgendermaßen zu definieren: „Mein Verhältnis zum Deutschtum definierte ich als Kulturverbundenheit, denn aufs vertraulichste und entschiedenste war ich in deutscher Kultur erzogen worden,“58

Emanuel Frynta und Jan Lukas behaupten in ihrem Buch Kafka lebte in Prag, an der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts sei in Prag eine dreihundertjährige Epoche zu Ende gegangen und eine neue Zeit sei mit aller Heftigkeit angebrochen, eine Zeit allgegenwärtiger historischer Konflikte, erwachender neuer Kräfte, wobei eine sich zäh behauptende Tradition ein starker und mächtiger Gegenspieler der Gegenwart gewesen sei und diese tyrannisiert habe. Es sei eine Zeit gewesen, die keinen festen Boden unter den Füssen geduldet habe, eine Zeit ohne Gegenwart, ohne Zugehörigkeit, eine heimatlose Zeit. Es sei eine typische Epoche des aufgepeitschten historischen Bewusstseins, eine Zeit des Rückblickens, der Hoffnung, der Vorwürfe, der Angst und der Vorahnungen.59 Max Brod hat...

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