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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 2- Christliche Philosophie

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Anton Hilckman

Edited By Tomasz Stepien

Inwiefern können wir von einer christlichen Philosophie und Bildung, Kultur und Politik sprechen? Diese grundlegende Frage bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der philosophischen Reflexion von Anton Hilckman. Den Hintergrund der Auseinandersetzung um die Philosophie und das Christentum macht die geistige und politische Situation in Europa, insbesondere in Deutschland und Italien der Zwischenkriegszeit, aus. Hilckman zeichnet in seinen Schriften ein spannungsvolles Bild des damaligen philosophischen Diskurses, der zwischen der thomistischen Neuscholastik und dem Neuidealismus italienischer Prägung oszillierte und direkt Einfluss auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse hatte und gleichzeitig die Aktualität für die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft und Kultur bewahrt.
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Mittelalterliche und neuzeitliche Scholastik

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Den grundlegenden Unterschied zwischen abendländischer und althellenischer Geistesart erblickt man zumeist darin, dass die antike Seele aus der bunten, wechselnden, sich wandelnden Welt des Werdens hinausstrebte zu einer in unwandelbarer Schönheit ruhenden Welt unvergänglichen, dem Werden entrückten Seins, während die abendländische Seele in eben jener Welt bunter, vielgestaltiger Mannigfaltigkeit ihre Heimat sieht und diese in ihrer Schönheit zu begreifen sucht. Derselbe Unterschied, der die verklärte, hoheitsvolle Ruhe antiker Bildwerke trennt von der in tiefsten Tiefen aufgewühlten, leidenschaftlichen Unruhe, die aus den Schöpfungen eines Michelangelo spricht, derselbe Unterschied soll sich aussprechen zwischen der, jedes Werden leugnenden eleatischen Seinsmetaphysik und der, die Sinnenwelt zu bloßem Schein verflüchtigenden platonischen Ideenlehre und dem stürmenden, wilden Drange nach Umfassung aller Unendlichkeiten, der an allen Höhepunkten der abendländischen Philosophie die unstillbare Sehnsucht der faustischen Seele enthüllt.

Das Christentum, dessen Sendung an alle Völker aller Zeiten ergeht, trat zuerst in die antike Kulturwelt ein. Diese hatte in der jenseitsdurstigen Hingabe an die platonische Idee des Allguten und in der nüchternen und klaren Ruhe aristotelischer Lebensweisheit längst nicht mehr dauernden Frieden zu finden vermocht, und sie ließ unter Verzicht auf weitausholende, philosophische Spekulationen ihre Welthaltung bestimmt sein durch die historische Unerschütterlichkeit lebens- und weltverachtender „Apatheia“ oder durch die epikureische Freude an heiterem Genuss. Diese heidnische, trotz allen Drängens nach dem Jenseitigen, Göttlichen doch im Diesseitigen, Natürlichen, Rein-Menschlichen befangenen, von jenem...

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