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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 2- Christliche Philosophie

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Anton Hilckman

Edited by Tomasz Stepien

Inwiefern können wir von einer christlichen Philosophie und Bildung, Kultur und Politik sprechen? Diese grundlegende Frage bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der philosophischen Reflexion von Anton Hilckman. Den Hintergrund der Auseinandersetzung um die Philosophie und das Christentum macht die geistige und politische Situation in Europa, insbesondere in Deutschland und Italien der Zwischenkriegszeit, aus. Hilckman zeichnet in seinen Schriften ein spannungsvolles Bild des damaligen philosophischen Diskurses, der zwischen der thomistischen Neuscholastik und dem Neuidealismus italienischer Prägung oszillierte und direkt Einfluss auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse hatte und gleichzeitig die Aktualität für die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft und Kultur bewahrt.
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Glaube und Geistesleben

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Geist und Glaube, Glaube und Wissenschaft, als feindliche Gegensätze gelten sie vielfach. Einander ausschließen sollen sie nach dem Urteile derer, die sich ‚gebildet’, die sich ‚moderne Menschen’ nennen. Wer glaubt, wer den Inhalt einer religiösen, übernatürlichen Offenbarung als wahr annimmt, der soll sich des Rechtes begeben haben, noch in der Wissenschaft mitzureden, da er ja in unwissenschaftlichen Vorurteilen befangen sei. Und wer ein wirklicher Wissenschaftler sei, der könne nicht umhin, auch den Glauben kritisch zu sezieren und dann die religiösen Lehren als ein vielverschlungenes Gewebe legendärer Mythen und ethisierender Anekdoten zu entlarven. Das ist die Sprache vieler Gebildeter und noch mehr die Sprache vieler Halbgebildeter, die da so tun, als könnte man das, was einem an Bildung fehle, durch Einbildung ersetzen. – Eine Verbindung von Wissenschaft und Glauben habe es höchstens im längst versunkenen Mittelalter gegeben. Der moderne Denker aber sei ein homo irreligiosus oder doch ein Mensch, der sich in seinen wissenschaftlichen Ansichten durch kein religiöses Credo leiten lassen dürfe.

Viele Katholiken haben sich durch solches Gerede kopfscheu machen lassen; sie wissen zwar von den großen Geistesheroen der katholischen Vorzeit, einem Augustin und Thomas von Aquin. Aber die Neuzeit, meinen sie, sei eine Zeit, die nun einmal den Abstieg der wissenschaftlichen Geltung des Katholizismus mit sich gebracht habe. Sie wissen nichts davon, dass auch ein Descartes ein gläubiger Katholik war, dass an der Schwelle der Neuzeit die gewaltige Denkergestalt des gro...

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