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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 2- Christliche Philosophie

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Anton Hilckman

Edited By Tomasz Stepien

Inwiefern können wir von einer christlichen Philosophie und Bildung, Kultur und Politik sprechen? Diese grundlegende Frage bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der philosophischen Reflexion von Anton Hilckman. Den Hintergrund der Auseinandersetzung um die Philosophie und das Christentum macht die geistige und politische Situation in Europa, insbesondere in Deutschland und Italien der Zwischenkriegszeit, aus. Hilckman zeichnet in seinen Schriften ein spannungsvolles Bild des damaligen philosophischen Diskurses, der zwischen der thomistischen Neuscholastik und dem Neuidealismus italienischer Prägung oszillierte und direkt Einfluss auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse hatte und gleichzeitig die Aktualität für die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft und Kultur bewahrt.
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Religion und Literatur

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Die Zeitschrift „La Cité Chrétienne“ brachte neulich einen beachtenswerten Aufsatz aus der Feder von André Molitor über das gegenseitige Verhältnis von Religion und Literatur, der einen guten Einblick gewährt in die französische Betrachtungsweise dieser Frage. Molitor geht davon aus, dass das Grundübel der abendländischen Kultur der Neuzeit eben in der Trennung von Religion und Leben bestehe. Seit dem Anbruche der Neuzeit ist das, was Molitor als „sensibilité catholique“ bezeichnet – wir möchten das nicht gerade mit dem vielgebrauchten und noch mehr missgebrauchten Ausdruck „katholisches Lebensgefühl“ übersetzen – immer mehr zusammenschrumpft. Die Bedeutung der Übernatur ist durch Renaissance und Reformation weitgehend eingeengt worden; man versuchte zunächst den Ausweg einer merkwürdigen Scheidung der Gebiete, die aber nur den Grund zu unausweichlichen Konflikten in sich enthielt. Die großen französischen Klassiker des sechzehnten Jahrhunderts waren überzeugte und fromme Katholiken; einige von ihnen haben sogar rein religiöse Werke geschrieben. Doch in ihren profanen Werken fehlt der katholische Sinn vollständig. Man denke an Boileau: das literarische Orakel seiner Zeit, der den Dichtern die Verwendung des Wunderbaren im christlichen Sinn verbot und sich selber der antiken Allegorien bediente. Wie kam er zu dieser Verfemung? Der Beweggrund war lediglich eine völlig falsche, jedenfalls auf den Jansenismus zurückgehende Auffassung von der Ehrfurcht, die dem Religiösen geschuldet sei. Paul Claudel hat dazu gesagt, dass das, was Gott angenehm sei, nicht so sehr respektvoller Abstand, sondern vielmehr das Gott-nötig-haben sei. „Mit einem...

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