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Die Lebenslust zweier Pessimisten

Der Konflikt der modernen Kultur und Momente der Affirmation bei Luigi Pirandello und Eugene O’Neill

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Sainab Sandra Omar

Als Erneuerer des Theaters und mit einem ausgeprägten Hang zum Pessimismus sind Luigi Pirandello und Eugene O’Neill in die Literaturgeschichte eingegangen. Entfremdungserscheinungen und das nahezu unausweichliche Scheitern sind wiederkehrende Motive in den Werken beider. Sowohl Pirandello als auch O’Neill bekannten aber, sie seien gar keine Pessimisten und bejahen das Leben sogar. In dieser ersten vergleichenden Studie werden deshalb die affirmativen Momente im jeweiligen Werk akzentuiert. Vor dem Hintergrund der Zeitdiagnose des deutschen Philosophen Georg Simmel kann trotz der nihilistischen Haltung eine Lust am Leben und eine geradezu vitalistische Grundüberzeugung der Autoren offengelegt werden.
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5 Der gemeinsame Weg tragischer Affirmation?

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Zu Beginn dieser Arbeit stand die Frage im Mittelpunkt, ob die beiden herausragenden Dramatiker des 20. Jahrhunderts, Luigi Pirandello und Eugene O’Neill, in ihrer schriftstellerischen Arbeit einen gemeinsamen Weg gegangen sind. Das hieß nicht, dass sich ihre Werke in der konkreten Umsetzung gleichen mussten – es ging vielmehr um das Aufspüren eines gemeinsamen weltanschaulichen Hintergrundes, einer gemeinsamen Denkweise, auf deren Basis sich die Handlungsverläufe der Werke und die Konzeptionen von Kunst gründen. Georg Simmels Zeitdiagnose sollte den geeigneten Ausgangspunkt bilden, um die Erschöpfungserscheinungen, die fehlende Integrationsbereitschaft und -kompetenz und den Wunsch der o’neillschen wie pirandellianischen Figuren, aus ihrem sozialen Umfeld auszubrechen, auf einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Leben und Form zurückzuführen. Gemäß Simmel habe sich diese einerseits kreative und andererseits todbringende Spannung in seinem Zeitalter akut zugespitzt, indem das Leben dazu übergegangen ist, das Prinzip, Formen zu produzieren, hinter sich zu lassen, um sich nun vielmehr in seiner präsentischen Unmittelbarkeit zu offenbaren. Dieser Drang nach Formlosigkeit sollte richtungsweisend für die Arbeit sein, und in dem von Pirandello und O’Neill gezeichneten Motiv – in der gesellschaftlichen Zwanghaftigkeit keine Erfüllung zu finden und sich der autoritären Erstarrung entwinden zu wollen – sollte eine literarische Entsprechung dieser Zeitdiagnose des deutschen Philosophen und Soziologen gesehen werden. Wesentlich war für den Fortgang der Analyse, dass Simmel in dieser oftmals tragisch genannten Wendung nicht so sehr eine Dekadenz, einen Verfall sieht, sondern vielmehr einen positiven Lebensdrang, was im Zuge der Erstellung des ideengeschichtlichen Kontextes dieser Arbeit,...

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