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Identität und Alterität

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Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
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„Altgedachtes und Neugeträumtes“. Monika Taubitz auf der Suche nach der alten-neuen Heimat

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In einem ihrer Gedichte – 1946 beschreibt die aus Breslau stammende deutsche Schriftstellerin Monika Taubitz die Vertreibung aus Niederschlesien aus der Perspektive eines kleinen Mädchens, das plötzlich mit einem Bündel über der Schulter ihr Familienhaus verlassen muss. Den letzten Blick auf die vertraute Gegend werfend, löst das Kind mit einer Zauberformel „den Akazienberg aus dem Angestammten“2, der dann mit ihm bis ans Ende der Tage fliegen wird… Was die kleine Monika mitnehmen kann, sind nur Erinnerungen, ansonsten muss sie alles zurücklassen, ihre geliebten, geheimnisvollen Plätze, ihre „Kuhle aus Sand, ihr Nest aus Gräsern, ihr blaues Dach“3.

Aus der heimatlichen Idylle von Eisersdorf in Schlesien nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben, musste sie nach Nordenham im westlichen Teil Deutschlands ziehen, um dort nach dem Trauma des Krieges wieder Elend zu erleben, worüber sie in ihrem Buch Treibgut. Eine Kindheit nach dem Krieg (1983) berichtet. Diese dort verbrachten schwierigen Jahre (1946 bis 1951) haben aber auch etwas Positives mit sich gebracht: „Am eigenen Leibe habe ich erfahren“ – erzählt Monika Taubitz in einem Gespräch – „was Hunger, Armut, Ausgestoßen- und Fremdsein bedeuten. Aber ich habe mich von der Lehre, die das Leben früh erteilte, nicht unterkriegen lassen. Paradoxerweise habe ich meinen Lebensmut zum Teil wohl gerade jenen schlimmen Zeiten zu verdanken, die wir lebend überstanden haben […]“.4 ← 177 | 178 →

Über das positive Erbe dieser Jahre spricht sie auch in einem anderen Interview:

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