Show Less
Restricted access

Identität und Alterität

Series:

Edited By Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
Show Summary Details
Restricted access

„Ich möchte werden wie Heine, ein tapferer Soldat im Befreiungskampfe“. Heinrich Heine als nationales Identifizierungssymbol im Literaturunterricht

Extract



Identitätskonstruktion in der Literatur

Noch in der Aufklärung wurde die Identität einer Person im Augenblick ihrer Geburt angelegt. Diese feste Identitätsgrundlage galt es im Laufe des Lebens zu entfalten. Im 20. Jahrhundert plädierten insbesondere Soziologen und Pädagogen für ein Identitätsbild, welches sich im gesellschaftlichen Interaktionsprozess herausbilde. Beiden Identitätsdefinitionen liegt die Vorstellung einer einheitlichen, geschlossenen Identität zugrunde.

Ende des 20. Jahrhunderts wird dieses einheitliche Bild aufgebrochen, die Stabilität von Identität in Frage gestellt und das Vorhandensein von pluralen Identitäten, die sogar zu sich selbst im Widerspruch stehen können, diskutiert. Dem Individuum, der Figur hinter diesen pluralen Identitäten kommt dabei die Aufgabe zu, die eigene Identität durch Selbsterzählung zu konstruieren.1 Diese Selbsterzählung wird zwar theoretisch immer wieder als identitätsstiftendes Feld erwähnt, eine konkrete Analyse ihres Funktionierens steht jedoch aus. Und so soll in diesem Beitrag die kulturelle Praxis selbst in den Fokus rücken, die zu einer solchen Selbsterzählung und damit Identitätskonstruktion führt. Als Untersuchungsfeld dient dabei der literarische Schreib- und Leseprozess, da sich hier ein kulturelles Feld der Adaption von Welterklärungsmustern und ihrer emotionalen Aneignung auftut. Ausgewählte Gedichte Heinrich Heines und ihre Bearbeitung im Schulunterricht werden in der Analyse von Schulaufsätzen zur Forschungsgrundlage, das Entstehen und den Prozess einer Praxis der nationalen Identifizierung zu erklären.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.