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Identität und Alterität

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Edited By Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
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Erinnerungsorte als Symbole nationaler Identität. Der letzte deutsche Kaiser als negativer Erinnerungsort der Polen

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In Verbindung mit Überlegungen zum Phänomen der Erinnerungsorte stellt sich zunächst die Frage, was unter einem »Erinnerungsort« zu verstehen ist. Zweifelsohne ist mit diesem Terminus das Problem der Erinnerung bzw. des Gedächtnisses angesprochen. Diese Begriffe sind seit knapp 30 Jahren „zu dominanten Denkfiguren avanciert“1, nicht nur in den Kultur- und Sozialwissenschaften, sondern ebenso u.a. in der Soziologie, Linguistik, Neurobiologie, Philosophie, Anthropologie, Psychologie und Medienwissenschaft. Erinnerungsfokussierte Fragestellungen lassen sich auch in der Geschichtswissenschaft formulieren, die heute, neben der Literaturwissenschaft, zu einer der engagiertesten Disziplinen bei der Erforschung von kollektiven Erinnerungspraktiken gehört. Bei der geschichtswissenschaftlichen Beschäftigung mit dem »Gedächtnis« berufen sich die meisten Historiker auf Jan und Aleida Assmann, Pierre Nora oder Maurice Halbwachs.

In der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung bilden vorrangig die Arbeiten von Jan und Aleida Assmann den Ausgangspunkt für zahlreiche Debatten über die sozialen und kulturellen Dimensionen des Gedächtnisses. Das größte Verdienst des Assmannschen Ansatzes ist, auf Halbwachs2 aufbauend, die Differenzierung zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis, wobei sich das erste auf eine alltagsbezogene, direkte Überlieferung von Erinnerungen ← 91 | 92 → bezieht, die etwa drei bis vier Generationen zurückreichen können. Dieses Gedächtnis „wächst der Gruppe historisch zu; es entsteht in der Zeit und vergeht mit ihr, genauer: mit seinen Trägern.“3 Jede Erinnerung, die einen längeren Zeitraum als 80 bis 100 Jahre überdauern solle, müsse vom kommunikativen ins kulturelle Gedächtnis transferiert werden. Dieses richtet sich somit auf Fixpunkte in...

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