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Identität und Alterität

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Edited By Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
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Identitätskonstruktionen in fiktionalen Mozart-Biographien und anderen Mozart-Romanen

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Die kollektive bzw. kulturelle Identität wird heute als ein soziales Konstrukt verstanden, eine Identität gibt es demnach nicht ‚an sich‘, sie wird im Bewusstsein hergestellt, indem die Menschen sich an ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Wahrnehmungen erinnern und sie mittels gleicher Deutungsmuster ordnen. Eine Identität entsteht nur, wenn es Menschen gibt, die sie denken und sich zu ihr bekennen.1 Obwohl es in der heutigen wissenschaftlichen Identitätsdebatte verschiedene Ansätze gibt, die manchmal zueinander im Gegensatz stehen, scheint sich Benedict Andersons Feststellung, dass Wir-Gruppen „vorgestellte Gemeinschaften“2 sind, durchgesetzt zu haben. Eine andere Ansicht, die vielen theoretischen Zugängen gemeinsam ist, besagt, dass ein enger Zusammenhang zwischen Identität, Kultur und Gedächtnis besteht. So stellt zum Beispiel Jan Assmann fest:

Das Bewusstsein sozialer Zugehörigkeit, das wir ‚kollektive Identität‘ nennen, beruht auf der Teilhabe an einem gemeinsamen Wissen und einem gemeinsamen Gedächtnis, die durch das Sprechen einer gemeinsamen Sprache oder allgemeiner formuliert: die Verwendung eines gemeinsamen Symbolsystems vermittelt wird. […] Wir wollen diesen Komplex an symbolisch vermittelter Gemeinsamkeit ‚Kultur‘ oder genauer: die ‚kulturelle Formation‘ nennen. Einer kollektiven Identität entspricht, sie fundierend und – reproduzierend, eine kulturelle Formation. Die kulturelle Formation ist das Medium, durch das eine kollektive Identität aufgebaut und über die Generationen hinweg aufrechterhalten wird.3

Die Funktion der kulturellen Formation besteht darin, Identität zu konstruieren und Handlungsorientierungen zu schaffen. Darüber hinaus spielt sie auch bei ← 107 | 108 → der Auseinandersetzung mit anderen Gruppen eine nicht zu übersehende...

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