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Identität und Alterität

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Edited By Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
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Der Mensch, geworfen zwischen Himmel und Erde. Identität und Fremdheit im Werk Ernst Barlachs

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Die „menschliche Situation in ihrer Blöße zwischen Himmel und Erde“1 hat Ernst Barlach als das beherrschende Thema in seinem künstlerischen und literarischen Schaffen bezeichnet. So wie er selbst sein „wahres Wesen in einer dunklen, unbewussten Tiefe“ suchte, waren für ihn auch alle seine Gestalten „nichts anderes als zum Sprechen und Handeln geborene Stücke dieses unbekannten Dunkels […], sehnsüchtige Mittelstücke zwischen einem Woher und Wohin“.2 Ihm ging es um das Aufspüren und Sichtbarmachen elementarster menschlicher Befindlichkeiten. Seinen Gebeugten und Bedrückten, Leidenden, Sorgenden, Verzweifelten, von Entsetzen Heimgesuchten, Außer-Sich-Geratenen, mit ihren Traumvisionen Kämpfenden, Wegsuchenden, Liebenden, Widerstand Leistenden, leidenschaftlich Handelnden stehen Gestalten gegenüber, die aus aller erdhaft düsteren Gebundenheit gelöst erscheinen, schweigend Verharrende, selbstvergessen Lauschende, Staunende, Hoffende, im Universum Forschende, Lesende, Meditierende, Singende, Musik Empfangende. Hinter der Augenfälligkeit der äußeren Erscheinungen wollte er das Verborgene, hinter der Maske der Wirklichkeit die andere Wahrheit, hinter dem äußerlich Aufgeprägten, Fremden das Eigene, nur dieser Gestalt Eigentümliche, Identische entdecken. Wirkliches und Unwirkliches, Spürbares und Nicht-Spürbares sollten auf unterschiedliche Weise ineinander verwirkt, Unsichtbares sichtbar gemacht werden.

Doch über die Beschaffenheit dieses „Ich“ war sich Barlach höchst ungewiss: „Ob überhaupt irgendwo ein Ich ist, das weiß, was los ist? Was der ganze materiell-geistig-seelische Gärungsprozess bedeutet?“3 Er selbst hat immer wieder von seiner eigenen Zerrissenheit, seinem inneren Zwiespalt gesprochen. ← 129 | 130 → Orientierungslosigkeit, Ohnmacht, Entfremdung und Angst standen einem übersteigerten Selbst- und Sendungsbewusstsein...

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