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Die empfängergerichtete Organspende

Im Kontext der bedingten Einwilligung in die Organentnahme

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Martina Resch

Die Arbeit unterzieht die Regelungen des Transplantationsgesetzes (TPG) hinsichtlich der Verknüpfung einer Organspendeerklärung mit einer Bedingung einer verfassungsrechtlichen Prüfung. Nach einem Überblick über den aktuellen gesetzlichen Rahmen für Leichen- und Lebendspende wird zunächst die Verfassungsmäßigkeit der Restriktion des Empfängerkreises bei der Lebendspende untersucht, um sodann die generelle Beschränkbarkeit der Organspendeerklärung zu erörtern. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer verfassungsrechtlichen Prüfung der Vereinbarkeit einer Leichenspende zugunsten eines ausgewählten Empfängers mit dem TPG. Die verfassungsrechtliche Prüfung zeigt, dass dem (postmortalen) Selbstbestimmungsrecht des potentiellen Spenders sowie dem Gleichheitsgrundsatz nicht hinreichend Beachtung zukommen. Insofern plädiert die Autorin für die Einführung einer Rechtssicherheit schaffenden Ausnahmeregelung in § 9 Abs. 2 TPG, welche die empfängergerichtete Leichenspende unter gewissen Voraussetzungen zulässt, und stützt dieses Ergebnis durch ethische Aspekte.
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A. Einführung: Zum veränderten Umgang mit dem körperlichen Rückstand eines Verstorbenen

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Schaut man in der Geschichte der Menschheit weit zurück und vergleicht mit der Gegenwart, so wird deutlich, dass das Verhältnis zu den körperlichen Überresten eines Verstorbenen und deren Verwendung eine grundlegende Veränderung erfahren hat.

Vor Jahrtausenden noch war für die Ägypter der menschliche Leichnam hauptsächlich ein Objekt der Totenehrung. Für das Leben nach dem Tod musste der Körper des Verstorbenen erhalten bleiben, wofür ein hoch spezialisiertes Verfahren der Mumifizierung entwickelt worden ist.1 Hierfür musste die Bauchhöhle vollständig entleert werden, weshalb die inneren Organe entfernt2, in sog. Kanopen3 gegeben und neben den Sarg gestellt wurden. Von einer umfassenden ökonomischen Nutzung des Leichnams wie man sie heute vorfindet war man, abgesehen von der Verwendung einzelner Teile einer Mumie für die Herstellung von Arzneimitteln, weit entfernt. Die Anfänge einer gezielten ökonomischen Verwertung von Leichnamen und Leichenteilen sind vielmehr in der Spätantike zu suchen. Mit der Öffnung eines Märtyrergrabes und der Übertragung der Gebeine in eine innerstädtische Kirche nahm der Reliquienkult seinen Anfang, welcher in seinem Verlauf dazu führte, dass Leichname regelrecht zerteilt und an verschiedene Orte verteilt wurden. So war gewährleistet, dass möglichst viele Gläubige die Heiligen sehen, verehren und von spontan vollbrachten Wunderheilungen profitieren konnten.4 Mit der Zahl der Heilungswunder stieg gleichsam der ← 19 | 20 → Wallfahrtsstrom Gläubiger, was sich freilich positiv auf die Einnahmen der Wallfahrtsorte auswirkte.5 Nach und nach entstand ein zunehmendes Interesse an einer wissenschaftlichen und...

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