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Die empfängergerichtete Organspende

Im Kontext der bedingten Einwilligung in die Organentnahme

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Martina Resch

Die Arbeit unterzieht die Regelungen des Transplantationsgesetzes (TPG) hinsichtlich der Verknüpfung einer Organspendeerklärung mit einer Bedingung einer verfassungsrechtlichen Prüfung. Nach einem Überblick über den aktuellen gesetzlichen Rahmen für Leichen- und Lebendspende wird zunächst die Verfassungsmäßigkeit der Restriktion des Empfängerkreises bei der Lebendspende untersucht, um sodann die generelle Beschränkbarkeit der Organspendeerklärung zu erörtern. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer verfassungsrechtlichen Prüfung der Vereinbarkeit einer Leichenspende zugunsten eines ausgewählten Empfängers mit dem TPG. Die verfassungsrechtliche Prüfung zeigt, dass dem (postmortalen) Selbstbestimmungsrecht des potentiellen Spenders sowie dem Gleichheitsgrundsatz nicht hinreichend Beachtung zukommen. Insofern plädiert die Autorin für die Einführung einer Rechtssicherheit schaffenden Ausnahmeregelung in § 9 Abs. 2 TPG, welche die empfängergerichtete Leichenspende unter gewissen Voraussetzungen zulässt, und stützt dieses Ergebnis durch ethische Aspekte.
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C. Problemaufriss

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Das schwierigste und allgegenwärtige Problem in der Transplantationsmedizin stellt der, ganz abgesehen von der aktuell eingebrochenen Spendebereitschaft aufgrund des Allokationsskandals, über viele Jahre hinweg stetige Organmangel dar, der seine Ursache wohl nicht zuletzt auch darin hat, dass neuester wissenschaftlicher Fortschritt zu einer Ausweitung des Empfängerkreises und damit einhergehend, zu einem Zuwachs an Wartelistenpatienten führen konnte.98 Obwohl das Organaufkommen zumindest bis zum Jahr 2007 kontinuierlich gesteigert werden konnte, haben die zur Verfügung stehenden Organe den Bedarf an Spenderorganen bei Weitem nicht decken können. Alarmierend waren in diesem Zusammenhang, die eingangs bereits angeführten schockierenden Zahlen für das Jahr 2008. Diese zeigten einen Rückgang der postmortalen Spendebereitschaft um 9 Prozent. Damit ergab sich mit 1.198 Organspendern im Jahr 2008 im Vergleich zum Jahr 2007 mit 1.313 Organspendern eine Diskrepanz von 115 Organspendern, womit sich die Anzahl der postmortal gespendeten und transplantierten Organe von 4.140 auf 3.945 reduziert hatte.99 Der akute Rückwärtstrend konnte jedoch im Jahr 2009 zunächst gestoppt und ins Gegenteil verkehrt werden. Im Jahr 2010 standen so bereits wieder 1.296 Menschen nach ihrem Tod als Organspender zur Verfügung. Nach dem Bekanntwerden von Wartelistenmanipulationen in einigen deutschen Transplantationskliniken hat die hierdurch deutlich nachlassende Spendebereitschaft dazu geführt, dass im Jahr 2012 lediglich 1.046 Spender zur Verfügung standen. Dem andauernden Mangel an Organen steht die grundsätzliche100 Bereitschaft von rund ← 47 | 48 → zwei Drittel der deutschen Bevölkerung ihre Organe nach dem Tod zu spenden entgegen, doch nur 17 Prozent haben...

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