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Die empfängergerichtete Organspende

Im Kontext der bedingten Einwilligung in die Organentnahme

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Martina Resch

Die Arbeit unterzieht die Regelungen des Transplantationsgesetzes (TPG) hinsichtlich der Verknüpfung einer Organspendeerklärung mit einer Bedingung einer verfassungsrechtlichen Prüfung. Nach einem Überblick über den aktuellen gesetzlichen Rahmen für Leichen- und Lebendspende wird zunächst die Verfassungsmäßigkeit der Restriktion des Empfängerkreises bei der Lebendspende untersucht, um sodann die generelle Beschränkbarkeit der Organspendeerklärung zu erörtern. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer verfassungsrechtlichen Prüfung der Vereinbarkeit einer Leichenspende zugunsten eines ausgewählten Empfängers mit dem TPG. Die verfassungsrechtliche Prüfung zeigt, dass dem (postmortalen) Selbstbestimmungsrecht des potentiellen Spenders sowie dem Gleichheitsgrundsatz nicht hinreichend Beachtung zukommen. Insofern plädiert die Autorin für die Einführung einer Rechtssicherheit schaffenden Ausnahmeregelung in § 9 Abs. 2 TPG, welche die empfängergerichtete Leichenspende unter gewissen Voraussetzungen zulässt, und stützt dieses Ergebnis durch ethische Aspekte.
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H. Ethische Erwägungen

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Die ethische Brisanz dieser Thematik der bedingten Organspende ist augenscheinlich. Unter Zugrundelegung ethischer Argumentationsstrukturen soll daher im Folgenden untersucht werden, welches Ergebnis eine ethische Betrachtung des begrenzten Empfängerkreises bei der Lebendspende, der bedingten Leichenspende, speziell aber der auf einen ausgewählten Empfänger gerichteten Leichenspende, hervorbringt. Hierfür soll zunächst auf die in diesem Zusammenhang grundlegenden Fragestellungen und Grundprinzipien verwiesen werden, bevor herausgefiltert wird, welche Interessen letztlich kollidieren und eine bedingte Organspendeerklärung unter Umständen ethisch legitimieren.

Stetig kann das Verfahren der Organgewinnung und -übertragung dank des medizinischen und medizintechnischen Fortschritts verbessert werden. Dieses Verfahren unterliegt, wie gezeigt werden konnte, den rechtlichen Regelungen des Transplantationsgesetzes, wobei Recht schließlich verkürzt ausgedrückt „nichts anderes als das ethische Minimum“ darstellt549. Neben den Kontroversen zum Hirntodkriterium550 bestimmt vor allem die Frage einer gerechten Verteilung knapper Organe die ethische Diskussion um die Organspende. Welcher der Patienten auf der Warteliste soll eines der wenigen zur Verfügung stehenden Organe erhalten und nach welchen ethischen Kriterien soll sich das Transplantationsverfahren richten?

Speziell für die Medizinethik haben Beauchamp und Childress vier Grundprinzipien aus der „common morality“ abgeleitet, welche heute von Medizinethikern ← 185 | 186 → als maßgeblich angesehen werden551 und anhand derer sich unter anderem auch eine Beantwortung der aufgeworfenen Fragen orientieren soll. Zuvörderst wird hier die Respektierung der Autonomie des Patienten genannt („respect for autonomy“), zum Zweiten die Schadensvermeidung („nonmaleficence“), als drittes Kriterium folgt die Wohltätigkeit/ Fürsorgepflicht („beneficence“), als viertes und letztes Grundprinzip...

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