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Spengler ohne Ende

Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext

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Gilbert Merlio and Daniel Meyer

Im Hinblick auf seine Rezeption ist Oswald Spengler nicht nur ein deutsches oder gar ein europäisches, sondern auch geradezu ein Weltphänomen. Spenglers Werk dient vielen als Bezugsgröße für die Analyse der heutigen geistigen und politischen Situation in Europa und in der Welt. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, verschiedene Aspekte dieser räumlich und zeitlich unbegrenzten Rezeption zu beleuchten. Sie hängt selbstverständlich von der Krisenhaftigkeit der Zeiten ab. Das in dieser vielseitigen Rezeption dominierende Motiv vom Untergang des Abendlands wird aber von den außereuropäischen Rezipienten nicht selten als Verheißung des Aufstiegs ihres eigenen Kulturkreises gedeutet. So zeigt sich nicht nur das kulturkritische, sondern auch das politische bzw. geopolitische Potential von Spenglers Werk.
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Morphologie und Philosophie des Raums bei Spengler und Sloterdijk. Sloterdijk als Erbe Spenglers?

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Alexandre Dupeyrix

Morphologie und Philosophie des Raums bei Spengler und Sloterdijk

Sloterdijk als Erbe Spenglers?

Nicht selten wird Peter Sloterdijk als ein Anhänger bzw. Erbe von Oswald Spengler betrachtet. Dabei wird auf philosophische Verwandtschaften hingewiesen: auf den Einfluss Nietzsches, auf ihre ontologischen Fragestellungen über das Sein, auf ihre monumentalen Weltgeschichten (Der Untergang des Abendlandes1 einerseits, die Trilogie der Sphären2 andererseits), welche die Morphologie als treibende Kraft der Kulturentwicklung annehmen, auf Denkfiguren wie „Mikrokosmos“ und „Makrokosmos“ zurückgreifen und die Geschichte eher in ihrer räumlichen als in ihrer zeitlichen Dimension erfassen. Es wird auch auf einen gleichen Ton und Stil hingewiesen, auf die gleiche Neigung, sich für unzeitgemäße Denker auszugeben, die sich vor Prophezeiungen nicht scheuen und sich ihres Antikonventionalismus rühmen. Politische Motive werden auch herangezogen, um die Verwandtschaft zwischen den beiden Denkern zu belegen: Beide gehörten, so manche Kritiker, derselben deutschen Tradition einer konservativen Kulturkritik an. Die Kontroversen, die Sloterdijk schon zweimal ausgelöst hat: 1999 mit seinem Text Regeln für den Menschenpark3, der die „Zähmung“ der Menschen durch die Gentechnik ins Auge fasst, und 2009 mit mehreren Presseartikeln, in denen er die Einkommenssteuer in Frage stellt und den Sozialstaat als eine institutionalisierte „Kleptokratie“ anprangert, diese Kontroversen haben manche Kritiker dazu verleitet, an Sloterdijks demokratischer Gesinnung zu zweifeln und ihn also unter die umstrittenen, sogar gefährlichen Kulturkritiker Deutschlands einzuordnen. In diesem Zusammenhang ← 107 | 108 → dürften Bezeichnungen (für Sloterdijk) wie...

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