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Spengler ohne Ende

Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext

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Edited By Gilbert Merlio and Daniel Meyer

Im Hinblick auf seine Rezeption ist Oswald Spengler nicht nur ein deutsches oder gar ein europäisches, sondern auch geradezu ein Weltphänomen. Spenglers Werk dient vielen als Bezugsgröße für die Analyse der heutigen geistigen und politischen Situation in Europa und in der Welt. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, verschiedene Aspekte dieser räumlich und zeitlich unbegrenzten Rezeption zu beleuchten. Sie hängt selbstverständlich von der Krisenhaftigkeit der Zeiten ab. Das in dieser vielseitigen Rezeption dominierende Motiv vom Untergang des Abendlands wird aber von den außereuropäischen Rezipienten nicht selten als Verheißung des Aufstiegs ihres eigenen Kulturkreises gedeutet. So zeigt sich nicht nur das kulturkritische, sondern auch das politische bzw. geopolitische Potential von Spenglers Werk.
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Pierre Bertaux liest Spenglers Jahre der Entscheidung. Eine Miszelle

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Gerald Stieg

Pierre Bertaux liest Spenglers Jahre der Entscheidung

Eine Miszelle

Unter den Büchern Pierre Bertaux’ in der Bibliothek des Institut d’allemand d’Asnières befindet sich ein Exemplar von Oswald Spenglers Jahre der Entscheidung. Erster Teil: Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, München, Beck 1933. Es ist mit einer Reihe von Anmerkungen von seiner Hand versehen, die höchstwahrscheinlich auf das Erscheinungsjahr zu datieren sind. Das Buch hatte unmittelbar einen dem Untergang des Abendlandes vergleichbaren Riesenerfolg. Das Exemplar Bertaux’ trägt die Auflagenzahl „einundachtzigstes bis einhundertstes Tausend“. Zum Verständnis dieser Anmerkungen trägt der Briefwechsel Bertaux’ mit seinem Vater aus den Jahren 1927 – 19331 wichtige Elemente bei. In diesen Briefen ist mehrmals von Spengler die Rede, zuerst in der satirischen Beschreibung eines Besuches im Jahre 1927 bei Elisabeth Förster-Nietzsche, in deren Salon er „im Vorübergehen ein Porträt Spenglers und ein großes Buch über Mussolini bemerkt“ hat.2 Am 1. Dezember 1927 schreibt er ohne nähere Details an seinen Vater: „mit Dr. Baerwald über Spengler und Fabre-Luce gesprochen.“3 Anfang 1929 berichtet er von Diskussionen mit Ephraim Frisch und Joseph Roth: „Es ist viel vom ‚Volk ohne Raum‘ die Rede. Wären die Deutschen nicht vielmehr (ich denke an das, was Roth sagt) ein Volk ohne Zeit?“ Er stellt die französische Auffassung der Zeit – „Zeit ist eine regelmäßige Abfolge“ – der deutschen gegenüber:

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