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Spengler ohne Ende

Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext

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Edited By Gilbert Merlio and Daniel Meyer

Im Hinblick auf seine Rezeption ist Oswald Spengler nicht nur ein deutsches oder gar ein europäisches, sondern auch geradezu ein Weltphänomen. Spenglers Werk dient vielen als Bezugsgröße für die Analyse der heutigen geistigen und politischen Situation in Europa und in der Welt. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, verschiedene Aspekte dieser räumlich und zeitlich unbegrenzten Rezeption zu beleuchten. Sie hängt selbstverständlich von der Krisenhaftigkeit der Zeiten ab. Das in dieser vielseitigen Rezeption dominierende Motiv vom Untergang des Abendlands wird aber von den außereuropäischen Rezipienten nicht selten als Verheißung des Aufstiegs ihres eigenen Kulturkreises gedeutet. So zeigt sich nicht nur das kulturkritische, sondern auch das politische bzw. geopolitische Potential von Spenglers Werk.
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Spengler im heutigen Russland. Zur Neu-Eurasischen Rezeption der Kulturmorphologie

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Zaur Gasimov

Spengler im heutigen Russland

Zur Neu-Eurasischen Rezeption der Kulturmorphologie

Nirgends war die Reaktion auf das Hauptwerk des Münchner Philosophen Oswald Spengler Untergang des Abendlandes so schnell, massiv und breit wie im postrevolutionären Russland. Vier führende Philosophen Russlands, Nikolaj Berdjaev, Fedor Stepun, Semën Frank und Jakov Bukšpan, gaben einen Sammelband unter dem Titel Osval’d Špengler i Zakat Evropy (Oswald Spengler und der Untergang Europas) mit ihren Aufsätzen heraus, in dem sie sich bereits 1922 mit den unterschiedlichen Aspekten des Spengler’schen Werkes auseinandersetzten. Einiges darin bemängelten sie, anderes kritisierten sie; von der Globalität und dem Umfang des Ansatzes jedoch waren sie fasziniert. Die Publikation dieses Sammelbandes war mitverantwortlich dafür, dass drei Mitautoren, Berdjaev, Stepun und Frank bald darauf Russland für immer verlassen mussten. Ihre Ansichten und nicht zuletzt ihre Sympathien mit den Grundzügen der Spengler’schen Morphologie prallten auf eine vehemente Kritik an Spengler innerhalb der sowjetischen Philosophenzunft sowie der Parteiaktivisten. Spenglers Weltanschauung wurde von Vladimir Lenin, aber auch von den sowjetischen Philosophen wie Abram Deborin und Petr Preobraženskij, sowie Ter-Vaganjan und Pjatakov aufs schärfste verurteilt. Sahen Berdjaev, Stepun, Frank und Bukšpan im Untergang eine Kontinuität des europäischen Kulturpessimismus und auch Anknüpfungspunkte der russischen und deutschen Ideen- und Kulturgeschichte, so betrachteten die sowjetischen Philosophen (zumindest im offiziell zugänglichen Narrativ und im öffentlich geführten Diskurs) die Schrift Spenglers aus der Perspektive des verbitterten Klassenkampfes....

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