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Spengler ohne Ende

Ein Rezeptionsphänomen im internationalen Kontext

Series:

Gilbert Merlio and Daniel Meyer

Im Hinblick auf seine Rezeption ist Oswald Spengler nicht nur ein deutsches oder gar ein europäisches, sondern auch geradezu ein Weltphänomen. Spenglers Werk dient vielen als Bezugsgröße für die Analyse der heutigen geistigen und politischen Situation in Europa und in der Welt. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, verschiedene Aspekte dieser räumlich und zeitlich unbegrenzten Rezeption zu beleuchten. Sie hängt selbstverständlich von der Krisenhaftigkeit der Zeiten ab. Das in dieser vielseitigen Rezeption dominierende Motiv vom Untergang des Abendlands wird aber von den außereuropäischen Rezipienten nicht selten als Verheißung des Aufstiegs ihres eigenen Kulturkreises gedeutet. So zeigt sich nicht nur das kulturkritische, sondern auch das politische bzw. geopolitische Potential von Spenglers Werk.
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Vorwort

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Wenn die Größe eines Denkers an seiner Rezeption gemessen werden kann, dann ist Oswald Spengler zweifelsohne ein großer Denker. Der Untergang des Abendlandes wurde nicht nur ein Bestseller in Deutschland zur Zeit seines Erscheinens, es wurde auch inzwischen in alle großen Sprachen der Welt übersetzt und wird allenthalben weiterhin erwähnt und zitiert. Spenglers Werk ist zugleich zeitgemäß und unzeitgemäß. Zeitgemäß, weil es dem Geist seiner Zeit entspricht und auf diese Zeit philosophisch, ideologisch und politisch einwirken will. Unzeitgemäß, weil es nicht nur von historischem Interesse ist. Es hat bis heute nie aufgehört, eine interessierte Leserschaft zu finden, und zwar nicht nur im ihm zufolge untergehenden Abendlande, sondern überall auf der Welt. Diesem doppelten Charakter entsprechen auch zwei Rezeptionsebenen: Spengler als eine der repräsentativsten Figuren der Weimarer Republik, ein Akteur ihrer politischen Zersetzung, und andererseits – ebenfalls seinem Selbstbild entsprechend – als genialer Außenseiter, von dem denkerische Impulse ausgehen, die nichts an Aktualität bzw. polemischen Sprengkraft verloren haben. Wie lässt sich diese anhaltende, zeitlich und räumlich unbegrenzte Resonanz erklären? Die Beiträge zu diesem Sammelband versuchen, zumindest eine partielle Antwort auf diese Frage zu geben.

Spenglers „Morphologie der Weltgeschichte“ beeindruckt durch ihren ambitionierten Umfang und durch ihre Vielseitigkeit. Sie spricht sowohl Philosophen, Soziologen, Geschichtstheoretiker als auch Kunsttheoretiker und Schriftsteller an. Wenn man sich aber fragt, welches Motiv die anhaltende Rezeption Spenglers wohl am besten erklärt, dann nimmt seine Prognose des Untergangs des Abendlandes unweigerlich den ersten Platz...

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