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Steiner neu lesen

Perspektiven für den Umgang mit Grundlagentexten der Waldorfpädagogik

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Edited By Ernst-Christian Demisch, Christa Greshake-Ebding and Johannes Kiersch

Die Anthroposophie Rudolf Steiners wird gegenwärtig neu erforscht, als historisches Phänomen ebenso wie als Impulsgeber für aktuelle Projekte in vielen Lebensfeldern. Dabei geht es auch um ein sachgemäßes Verstehen der zugrunde liegenden Quellentexte. Dieses Buch beleuchtet die dabei zu lösenden, bisher übersehenen hermeneutischen Probleme. Es diskutiert die besonderen Ausdrucksmittel, die Steiner in seinen Schriften und Vorträgen verwendet, revidiert die verbreitete Ansicht, dass es sich bei anthroposophischen Einsichten um ein Faktenwissen im Sinne empirischer Forschung der üblichen Art handle, und eröffnet damit Perspektiven für einen undogmatischen, offenen Umgang mit dem bis heute umstrittenen Werk des Pädagogen und Lebensreformers.
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„... in der Seele entzünden die eigene Tat“. Über Rudolf Steiners geisterweckenden Sprachstil am Beispiel des überpersönlichen „Es“.

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„... in der Seele entzünden die eigene Tat“1

Über Rudolf Steiners geist-erweckenden Sprachstil am Beispiel des überpersönlichen ‚Es’

Martina Maria Sam

Im betrachtenden Umgang mit der Sprache Rudolf Steiners fiel mir über die Jahre hin immer mehr auf, wie diese darauf angelegt ist, durch vielfältige Sprachmittel den Leser zu innerer Bewegung, zu seelischer Aktivität, zum Nachvollzug ‚sinnvoller Gebärden’ anzuregen. Diese sinnvollen Gebärden ergeben sich aus der Verschmelzung der erlebten Sprachbewegung mit dem gedanklich-begrifflichen Inhalt – der Text ‚tut’ gewissermaßen, wovon er spricht. Voraussetzung für dieses Erleben ist es, sich auf die ‚sinnvollen Sprachgebärden’ unbefangen und mit dem Willen zu innerer Tätigkeit einzulassen. Übt man sich in diese Haltung ein, kann ein zweites Erlebnis dazu kommen: Man spürt, wie man durch die starke seelische Aktivität, die dazu erforderlich ist, gleichsam in eine andere Sphäre kommt – eine Sphäre des Erlebens, die sich von unserem Alltagserleben unterscheidet. In ihr lassen sich nämlich nicht mehr Subjekt und Objekt, Tun und Erleiden, Ich und Welt säuberlich trennen, sondern alles webt sich gleichsam ineinander, ist Subjekt und Objekt zugleich, tut und erleidet zugleich. Es ist dies ein Zustand höchsten Bewusstseins, intensivster seelischer Aktivität – zugleich aber ist damit ein Gefühl des ‚Über-den-Dingen-Stehens’ verbunden, das sich am ehesten als eine Art ‚Schweben’ kennzeichnen läßt. Vielleicht entspricht dieser Zustand dem ‚Schweben’, das Novalis als Kennzeichen der ‚produktiven Imaginationskraft’ schildert:

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