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Steiner neu lesen

Perspektiven für den Umgang mit Grundlagentexten der Waldorfpädagogik

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Edited By Ernst-Christian Demisch, Christa Greshake-Ebding and Johannes Kiersch

Die Anthroposophie Rudolf Steiners wird gegenwärtig neu erforscht, als historisches Phänomen ebenso wie als Impulsgeber für aktuelle Projekte in vielen Lebensfeldern. Dabei geht es auch um ein sachgemäßes Verstehen der zugrunde liegenden Quellentexte. Dieses Buch beleuchtet die dabei zu lösenden, bisher übersehenen hermeneutischen Probleme. Es diskutiert die besonderen Ausdrucksmittel, die Steiner in seinen Schriften und Vorträgen verwendet, revidiert die verbreitete Ansicht, dass es sich bei anthroposophischen Einsichten um ein Faktenwissen im Sinne empirischer Forschung der üblichen Art handle, und eröffnet damit Perspektiven für einen undogmatischen, offenen Umgang mit dem bis heute umstrittenen Werk des Pädagogen und Lebensreformers.
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Punkt und Kreis. Ein Leitmotiv mathematischer Mystik und seine pädagogische Metamorphose im Werk Rudolf Steiners.

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Punkt und Kreis

Ein Leitmotiv mathematischer Mystik und seine pädagogische Metamorphose im Werk Rudolf Steiners

Gerhard Stocker

Ich weiß nicht was ich bin / Ich bin nicht was ich weiß: Ein ding und nit ein ding: Ein stüpffchin und ein kreiß.1

Einführung

In Rudolf Steiners Vortragszyklus Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik2, der bei der Begründung der Freien Waldorfschule in Stuttgart vom 21. August bis 5. September 1919 gehalten worden ist, begegnet der Leser auf Schritt und Tritt denjenigen Verständnisschwierigkeiten, die J. Kiersch in der Einleitung des vorliegenden Sammelbandes charakterisiert hat. Die Art und Weise der Steinerschen Darstellung scheint uns heute nicht mehr kompatibel zu sein mit der gängigen, wissenschaftlichen Praxis. So ist im 10. Vortrag dieses Kurses eine erstaunliche Verknüpfung von Inhalten und Motiven der verschiedensten wissenschaftlichen Fachdisziplinen vorzufinden. Aus Anatomie, Morphologie, synthetischer Geometrie, alten Anschauungen von Mikro- und Makrokosmos, Kulturgeschichte und Evolutionstheorie werden Motive zu einer interdisziplinären, gleichwohl fragmentarisch erscheinenden Skizze zusammengestellt. Der Leser muss sich entweder schon tief in den Kontext des Gesamtwerks Steiners eingearbeitet haben oder er wird sich von den vorliegenden Gedanken überfordert fühlen. Es ist in der Tat ein langer Atem nötig, ein – um es vorwegzunehmen – nachhaltiges, förmlich meditatives Abtasten der Steinerschen Sätze, um in ein rechtes Verhältnis zu dem Geschilderten zu kommen.

Hilfreich für ein Verständnis sind selbstverständlich ausgedehnte Studien...

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