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Kritische Chinabilder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Zeitgenössische Essays und Vorträge von Chinesen mit Urteilen über ihr Heimatland

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Xiuli Jin

Das Chinabild der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist kompliziert. Die komplexe Situation mit politischer und wirtschaftlicher Unruhe voller Umbrüche und Neuordnungen wurde zeitgleich der Nährboden für explodierende kritische Stimmen aus verschiedenen sozialen Lagern. Das Buch vermittelt ein sowohl literarisch als auch soziologisch, philosophisch und politisch nicht uninteressantes Chinabild ins Deutsche, dem bis dato keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, durch eine Vielzahl von zeitgenössischen Beiträgen in einer kommentierten Übersetzung.
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Der Essay als Dolch und Speer

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Die unter der Bezeichnung „Neue Kulturbewegung“ bekannt gewordene geistige Strömung Chinas zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist ein bedeutender Wendepunkt in der chinesischen Literaturgeschichte. Literaten dieser geistigen Strömung, die sich radikal vom traditionellen Gedankengut abwandten und in Anlehnung an die westliche Kultur neue Gattungen und Schreibstile entwickelten, galten fortan als fortschrittlich. Ihr Verständnis von Literatur war nicht mehr das der schöngeistigen Literatur, sondern das einer politisch-gesellschaftlichen mit neuen Aufgaben: Die Literatur sollte das untergehende Land retten. Revolutionäre Literaten begannen, die Kultur des Landes und den Charakter des Volkes neu zu definieren und diesen Charakter fundamental anzugehen. Daraus entstand ein Chinabild, das teilweise verzerrt und übertrieben war, aber dennoch viel Wahres an sich hatte, vergleichbar einer Karikatur.48

Das Chinabild in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde von der Neuen Kulturbewegung entscheidend geprägt. Unter den prägenden Literaten spielte Lu Xun eine dominante Rolle als Vorreiter. Das Verständnis des Chinabildes und der Geschichte jener Zeit wäre ohne Essays und Erzählungen Lu Xuns kaum vorstellbar. Er hinterließ der Welt keine langatmigen Klassiker. Aber seine Essays und Erzählungen weisen in der besonderen Zeit ihren unsterblichen Wert auf wie keine andere Gattung in der Literatur: In ihnen versucht Lu Xun, das in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht, d.h. sowohl politisch und ökonomisch als auch kulturell, dahinsiechende Land zu heilen und das moralisch abgestumpfte Volk wachzurütteln.

Eine kurze Einführung in den historischen Hintergrund und in die Literatur der Neuen Kulturbewegung soll...

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