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Die strafprozessuale Hauptverhandlung zwischen inquisitorischem und adversatorischem Modell

Eine rechtsvergleichende Analyse am Beispiel des deutschen und des zentralasiatischen Strafprozessrechts

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Friedrich-Christian Schroeder and Manuchehr Kudratov

Dieser Band enthält die Beiträge und Diskussionspapiere, die im Rahmen des Forschungsprojekts Die Entwicklung des Strafprozesses in den Staaten Zentralasiens auf den Konferenzen in Almaty/Kasachstan im Jahr 2011 und Regensburg im Jahr 2012 gehalten wurden. Dargestellt werden darin die Ergebnisse des Forschungsprojekts, das von der Volkswagen Stiftung finanziert und vom Institut für Ostrecht München/Regensburg durchgeführt wird. Ziel des Forschungsprojekts ist eine systematische Erforschung und rechtliche Analyse der Entwicklung des Strafprozesses in den Staaten Zentralasiens vor dem Hintergrund der Reform der Strafjustiz und der Transformation des Strafprozesses vom inquisitorischen zum adversatorischen Verfahren. Der Band richtet sich an alle, die sich für die Rechtsentwicklung in den Ländern Zentralasiens und für die Rechtsvergleichung im Strafprozessrecht interessieren. Er knüpft an den Band «Das strafprozessuale Vorverfahren in Zentralasien zwischen inquisitorischem und adversatorischem Modell» (2012) an.
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Die Fürsorgepflicht des Richters zwischen inquisitorischem und adversatorischem Modell

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Christoph Safferling

I. Einleitung

Vergleiche zwischen der Rolle des Richters im angloamerikanischen oder adversatorischen und im kontinentaleuropäischen oder inquisitorischen Kontext sind mittlerweile eine ganze Reihe angestrengt worden. In unseren Köpfen sind meist recht vage Schematisierungen von der Position des Richters im jeweiligen Rechtskreis. Während der inquisitorische Richter ein aktiver ist, dessen Aufgabe es ist, in der Hauptverhandlung die Wahrheit zu finden, der die Pflicht hat, jedes erkennbare Beweismittel heranzuschaffen, um zu erhellen, was es zu erhellen gibt, ist der adversatorische Richter zurückhaltend und passiv. Er dirigiert das Spiel der Parteien, die nach ihrem Gutdünken Beweise heranschaffen, fast hinter vorgehaltener Hand; mischt er sich ein, läuft er Gefahr als parteiisch wahrgenommen und von der höheren Instanz schließlich gerügt und aufgehoben zu werden. Seine Position wird gerne mit der eines unparteiischen Schiedsrichters verglichen, der die Fairness des Kampfes der beiden Parteien überwacht, sich aber nicht einmischt. So beschreibt Gustav Radbruch das Englische Strafverfahren: „Der Rechtsstreit ist für den Engländer immer noch das, was er für seinen mittelalterlichen Vorfahren war: ein gerichtlicher Zweikampf, der nur nicht mehr mit den altertümlich rituellen Äxten aus Holz und Horn ausgefochten wird, sondern mit Worten. (...) Als wahrhaft Unparteilicher ist der Richter nur mit der Wahrung der Kampfregeln bei der Beweisaufnahme und der Feststellung des Kampfergebnisses im Urteil betraut, die Beweisaufnahme selbst liegt den Parteien ob.“1

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