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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Francesca Bravi Von Cappuccetto Rosso zu Cappuccetto Razzo. Die Neuschreibung eines Marchens durch die Phantasie

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„Es war einmal ein Mädchen, das hieß Gelbkäppchen. – Nein! Rotkäppchen! – Ach ja, Rotkäppchen.“1 Wer kennt nicht das Märchen2 der „kleine(n) süße(n) Dirne“, die von der Mutter zur Großmutter geschickt wird und im Wald den Wolf trifft?! Drei Neuschreibungen dieses Märchens von drei bekannten italienischen Autoren bilden den Kern dieses Beitrags. Es handelt sich um A sbagliare le storie von Gianni Rodari (1920-1980), Cappuccetto Rosso Verde Giallo Blu e Bianco von Bruno Munari (1907-1998) und La congiura dei Cappuccetti von Stefano Bordiglioni (geb. 1955). Dabei wird auffallen, dass es unmöglich ist, von den Autoren zu sprechen, ohne Brücken zwischen ihren Texten zu bauen.

Lange bevor die Brüder Grimm in Deutschland Rotkäppchen in ihre Sammlung aufnahmen, war dieses Märchen in Frankreich in der Version von Charles Perrault aus dem Jahr 1697 in Histoires ou contes du temps passé, avec des Moralités veröffentlicht worden. Wie die Studien von Paul Delarue (Le conte populaire français, 1957) ausführlich gezeigt haben, wurde eine breite und die Grenze Frankreichs überschreitende, hauptsächlich mündliche Überlieferung dieses Märchen in 35 Versionen3 gefunden. In der deutschen Tradition fällt die Märchendramatisierung von Ludwig Tieck (1800) genau zwischen Perrault und die Brüder Grimm. Der Stoff wird von Tieck bereichert (ein Jäger kommt hinzu) und aufgelockert, die Naturschilderung ist stärker ausgeprägt und die pädagogische Tendenz wird verschärft. ← 205 | 206 →

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