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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Edited By Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Spanische und lateinamerikanische Kinder- und Jugendliteratur

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Im Gegensatz zur englisch- und deutschsprachigen Literatur haben es in der spanischen Literatur nur wenige literarische Meisterwerke in den Status des auch international bekannten Kinder- und Jugendbuchklassikers geschafft. Und doch gibt es sie natürlich, zumindest im spanischsprachigen Raum. Einer dieser Klassiker ist Don Juan Manuels Conde Lucanor, ein Werk des spanischen Mittelalters, das bis heute Jung wie Alt anspricht. Obwohl dem deutschen Leser heute weitgehend unbekannt – die einzige Übersetzung ins Deutsche wurde 1843 von Joseph von Eichendorff besorgt und ist entsprechend altmodisch im Stil –, kennen deutsche Leser einige Beispielgeschichten, die hierin erzählt werden: Neben einer Reihe von Fabeln, die auch Juan Manuel aus der Antike übernimmt, gilt dies insbesondere für die Geschichte, die wir aus der Feder des dänischen Märchenautors Hans Christian Andersen unter dem Titel „Des Kaisers neue Kleider“ kennen, und die Andersen tatsächlich von Don Manuel übernahm.1

Der Conde Lucanor, eigentlich Libro de los exemplos del conde Lucanor et de Patronio, wurde 1335 von Don Juan Manuel verfasst und erfreute sich bereits zu seiner Entstehungszeit vergleichsweise großer Verbreitung. Das Prosawerk durchlief in den folgenden Jahrhunderten eine zweifache Karriere: Zunächst als Markstein kastilischer Prosa des spanischen Hochmittelalters, dann jedoch ab Ende des 19. Jahrhunderts in neuspanischer Übersetzung auch als Kinderbuch. Dies liegt aufgrund des belehrenden Charakters des Werkes auch durchaus nahe. In seiner ursprünglichen Fassung nicht mehr als kindgerecht angesehen, erscheinen heute gehäuft stark bearbeitete und meist illustrierte Ausgaben für Kinder und...

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