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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Johanna Klute „¡Pues, se inventa!“: Zur Kinderliteratur in den spanischsprachigen Landern Lateinamerikas und in Brasilien

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Die Geschichte und Entwicklung der Kinderliteratur in Lateinamerika ist maßgeblich beeinflusst durch die Kolonialherrschaft. Im Zuge der Entdeckung und Eroberung Lateinamerikas wurden die prähispanischen literarischen Zeugnisse der indigenen Kulturen fast vollständig vernichtet:

De distinta procedencia […] han sobrevivido a los agravios del tiempo unas pocas decenas de códices prehispánicos, […] casi todos los destruidos los fueron por atribuírseles conservar memoria de supersticiones, magias o hechicerías, también desaparecieron por desidia, ignorancia o indiferencia.1

Die Verbrennung von heidnischen Bildern und Schriften der Ureinwohner durch die christlichen Missionare in Südamerika, die ihr Handeln mit Vorwürfen wie der angeblichen Teufelsanbetung rechtfertigten, bedeutete die Vernichtung von wichtigen Dokumenten zur Geschichte und Kultur Lateinamerikas. Unter Bezugnahme auf die Schilderungen in den Schriften des Dominikaners Bartolomé de las Casas (1484-1566), der sich in seiner Position als Bischof für die Rechte der Indios in den Kolonien einsetzte, kommentiert Kubas Unabhängigkeitsheld José Martí (1853-1895) die zerstörerische Wut der Eroberer mit den Worten: „La superstición y la ignorancia hacen bárbaros a los hombres en todos los pueblos“.2 Vor diesem Hintergrund war das (literarische) Leben in den Kolonien lange Zeit fremdbestimmt und Literatur bzw. das, was wir heute darunter verstehen, damit anfangs ein fremdes, von außen kommendes Phänomen. Die in diesem Umfeld entstandene „lateinamerikanische“ (Kinder-)Literatur ist daher im Kontext des Postkolonialismus zu betrachten.

Die Kinderliteratur in Buchform erreichte Lateinamerika im 16. Jahrhundert. Während die ehemaligen Kolonien auf...

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