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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Materielle Bedingungen historischer Kulturwissenschaft im Übergang von der Print- zur Digitalepoche. Ein Versuch

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Vorbemerkung

Wenn nicht alles täuscht, ist die historische Kulturwissenschaft Deutschlands in allen ihren diversen Verzweigungen derzeit hauptsächlich von zwei theoretisch-konzeptionellen Entwicklungen geprägt.1 Erstens findet sie sich zunehmend in ihrer konstruktivistischen Prämisse erschüttert. Realität oder Wirklichkeit kann nicht mehr ohne Weiteres und fugenlos als je individuell und kollektiv durch Wahrnehmung, Sinnapplikation oder praxeologisch differenzierte Aneignung konstruierte Realität oder Wirklichkeit ausgewiesen werden. Vielmehr wird immer deutlicher, dass derartiger Konstruktivismus wissenschaftstheoretisch und empirisch auf wackeligen Füßen steht, mit eigenen ideologisch-herrschaftlichen Ansprüchen ihrer Vertreter verbunden ist und vor allem auf zunehmende Widerständigkeit der Dinge stößt. Mit anderen Worten: „der Einfluss der Welt, d.h. der geistunabhängigen Wirklichkeit, auf [die] Prozesse der Sinnkonstruktion“ ist nicht länger als „gering [zu] erachten“, sondern muss im Gegenteil hoch veranschlagt werden.2 Oder noch anders ausgedrückt: Im Gegensatz zur Annahme der „klassischen Handlungstheorie, dass allein in der Innenwelt des Subjekts die Gründe liegen, wieso Handlungen in der Außenwelt vollzogen werden“, aber auch im Gegensatz zum konstruktivistischen Empirismus, der Erfahrung als selbstbewusste Aktivität des weltaneignenden Subjekts betrachtet, muss zumindest von einer Befähigung der Dinge zur Irritation des Subjekts, von einer auch passiven Dimension der subjektiven Erfahrung, mit ← 7 | 8 → hin einer Eigenwirkung der Materialität, die diese als mehr ausweist als eine „Projektion des menschlichen Geistes“, ausgegangen werden.3

Zweitens ist für die aktuelle Lage der historischen Kulturwissenschaft gleichwohl festzustellen, dass sie dominiert wird von der Tendenz, „die...

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