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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Jenseits der Gedichte: Zur medialen Inszenierung des Schriftstellers Lu Xun im China des 20. und 21. Jahrhunderts

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In einer Galerie in Dashanzi, im Künstlerviertel im Nordosten von Beijing, hängt zwischen wilden Orgien und nackten Körpern ein ruhiges blaues Bild: dunkler Hintergrund, davor blauweiß leuchtender Schnee auf einem Felsen und einem umgestürzten Baum, auch der dunkle Boden im Vordergrund ist schneebedeckt und rechts weiß leuchtend, davor – vor dem Baum und dem Felsen – oder mittendrin – in diesem Bild – hockt kauernd ein Mann in einem langen blauen Gewand. [Vgl. Abb. 1] Haar, Augenbrauen und Schnurrbart pechschwarz, die rechte Hand an der Zigarette oder der Pfeife im Mund, in der linken ein helles gelbbraunes Buch. Ein Bild von Einsamkeit, doch zugleich auch ruhig. Der kalte Schnee scheint dem ungestörten Genuss nichts anhaben zu können. Woran der Mann während seiner Zigarette wohl denkt? An die Welt außerhalb des verschneiten Bildes? Oder an den Inhalt des Buches? Bei einer genaueren Betrachtung des Bandes fällt auf, dass auf dem Umschlag ein Gesicht zu erkennen ist, das ähnlich dunkle Haare und dieselben Augenbrauen trägt wie der kauernde rauchende Mann. Das Kärtchen zum Bild verrät dessen Titel: Lu Xun. Jahr: 2004. Autor des Bildes: Wang Qingsong. Natürlich ist es nicht der chinesische Schriftsteller Lu Xun (1881–1936) selbst, der da mitten im Schnee hockt, der sogenannte „Vater der modernen chinesischen Literatur“, sondern vermutlich der Künstler Wang Qingsong (geb. 1966), das „Enfant Terrible der zeitgenössischen chinesischen Fotografie“, der sich auf seinen Bildern öfter auch selbst porträtiert.1 ← 55 | 56 →

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