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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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„Ein Deutsch schreibender jüdischer Russe, der zur Zeit in Österreich lebt“ – Vladimir Vertlib im literarischen Leben der Bundesrepublik Deutschland

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„Das Schwierige sind“, so schreibt Marica Bodrožić in einem sehr lesenswerten Essay mit dem Titel Die Sprachländer des Dazwischen, „die Zuordnungen, die kleinen Rausschmisse, die Verweise auf einen anderen – inneren oder äußeren – Ort.“1 Die kroatisch-deutsche Autorin bezieht sich dabei auf die herkunftsfixierte Rezeption einer im deutschsprachigen Raum seit den 60er Jahren entstehenden Literatur von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, deren Wurzeln mit anderskulturellen Anteilen in engster Verbindung stehen. Doch – so fragt Bodrožić und ist damit nur eine Stimme im Konzert auch anderer Autorinnen und Autoren aus Ostmitteleuropa, wie Herta Müller, Ilma Rakusa, Zsuzsa Bánk, Ilija Trojanow, die ähnlich fragen –, wann werden solche Zuordnungen nicht mehr nötig sein, wann wird nicht mehr die Herkunft, sondern die Qualität der literarischen Texte im Mittelpunkt der Wahrnehmung stehen? Mit dieser Frage unmittelbar verbunden ist die Frage nach der Anerkennung innerhalb eines deutschen Literaturbetriebs, der versucht Autoren nach Kategorien wie Nationalliteratur, Migrantenliteratur, Migrationsliteratur oder Chamisso-Literatur2 einzuordnen und damit meist ein ästhetisches Werturteil verbindet, das der Komplexität der literarischen Texte mitunter nur bedingt gerecht wird und zudem nicht selten exkludierende Tendenzen3 aufweist. Doch lässt sich eine solchermaßen von verschiedenen kulturellen Einflüssen geprägte Literatur über ← 75 | 76 → haupt mit monokulturellen und -kausalen Zuordnungen und Deutungsmustern erfassen, wie sie in der Nationalgeschichtsschreibung üblich sind? Gerät sie nicht vielmehr zwangsläufig in ein Geflecht von widersprüchlichen Deutungen, die zumeist von außen an sie herangetragen werden oder sogar Projektionen sind?

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