Show Less
Restricted access

Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

Series:

Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
Show Summary Details
Restricted access

Video und Körper als Widerstandsmaterial gegen die staatliche Diskursformation: Wu Wenguangs Folk Memory Project

Extract



Das gegenwärtige China ist ein Land voller Illusionen. Die staatlichen Massenmedien, wie z.B. der Zentrale Fernsehsender „CCTV“ und dessen chinesische Neujahrs-Gala, die fast alle Chinesen an Silvester anschauen, formieren und verstärken den staatlichen Diskurs, der sich jenseits der Alltagsrealität befindet.1 Zeichen und Bezeichnetes sind voneinander losgelöst. Das Dargestellte wird durch illusionäre Bilder modifiziert. Das chinesische Volk lebt daher in einer illusionären Zeichenwelt und hat keine Chance, sich durch die üblichen Massenmedien über das Reale zu informieren oder darüber zu diskutieren.2 Aufgrund mangelnder Möglichkeiten zur Mitwirkung am politischen Leben wird das Volk seiner Rechte, und sogar seines Bewusstseins als selbstbestimmter Bürger beraubt.3 Die Volksrepublik China wird daher zur Illusionsrepublik China. Seit den 1990er Jahren vereinigen sich dabei die Macht habenden staatlichen bürokratischen Eliten mit den Wirtschafts- sowie den Intellektuellen-Eliten. Die Überlegenheit und die Privilegien dieser neuen Oberschicht wird durch die staatliche ← 87 | 88 → Gewalt (mit ihren Instrumenten Polizei, Justiz, Zensur sowie Bildungssystem) legitimiert und geschützt. Mangels Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung löst sich die chinesische Gesellschaft in Fragmente auf. Zu Hause zu bleiben und fernzuschauen ist die einzige Form der Freizeitbeschäftigung die den meisten Chinesen übrig bleibt, und welche die staatliche diskursive Formation und politische Diktatur begünstigt.4

Eigentlich bietet das Theater vergleichsweise größere Möglichkeiten einer freien öffentlichen Meinungsäußerung. Der Grund liegt einerseits darin, dass das Theater für ein relativ begrenztes Publikum, nämlich das urbane gebildete...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.