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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Regie und die „Aufteilung des Sinnlichen“: Überlegungen zur Theorie der Theaterregie

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Das Entstehen der Theaterregie wird in der Theatergeschichtsschreibung gemeinhin im späten 19. Jahrhundert angesetzt. Der neuartige Historienrealismus der Meininger in den 1870er Jahren, die innovative naturalistische Theaterästhetik von André Antoines Théâtre Libre, das dieser 1887 in Paris gründete und damit seine Nachfolger im naturalistischen Stil von Otto Brahm in Berlin bis Konstantin Stanislawski in Moskau inspirierte, sowie schließlich auch die Experimente im Bühnenraum, wie sie vor allem Adolphe Appia und Edward Gordon Craig im frühen 20. Jahrhundert durchführten, gelten als zentrale Kenndaten, an denen das Auftreten von Regie als zentraler Praxis moderner Bühnenkunst festgemacht wird. Das gleichzeitig auf den Plan tretende Konzept der mise en scène bzw. Ins­zenierung wird gleichermaßen mit innovativen Ideen in Verbindung gebracht, die üblicherweise der Theatermoderne zugeordnet werden, von Richard Wagners Konzept des „Gesamtkunstwerks“ bis zur Aufforderung zur „Retheatralisierung des Theaters“, wie sie Georg Fuchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das jenseits seines gleichnamigen Manifests wenig folgenreiche Münchner Künstlertheater ausrief. Als sich Adolf Winds in den 1920er Jahren daran machte, eines der ersten Geschichtsbücher über Regie im Theater zu verfassen, stellte er bei seiner Betrachtung der grundlegenden Schriften des bürgerlichen westeuropäischen Theaters aus dem 18. Jahrhundert irritiert fest:

Aber merkwürdig. Das Wesen der Schauspielkunst wird zergliedert, analysiert, seziert; von der Regie ist nicht die Rede, bei Diderot in einzelnen Hinweisen, bei Lessing gar nicht. Wurde sie nicht geübt? Doch, da sie...

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