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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Archivalische Archäologie des Regietheaters: Anna Bahr-Mildenburgs Inszenierung von Wagners Ring des Nibelungen 1921/22 an der Bayerischen Staatsoper

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Die Zeit der Weimarer Republik war die Ära des Theater-Expressionismus in Regie und Dramatik. Seine Anfänge werden üblicherweise mit drei Aufführungen in Verbindung gebracht: Richard Weicherts Mannheimer Inszenierung von Walter Hasenclevers Der Sohn von 1918, Ernst Tollers Die Wandlung in der Regie von Karl Heinz Martin und Leopold Jessners Deutung von Schillers Wilhelm Tell, die ein Jahr später beide in Berlin herauskamen.1 Gemeinsam war diesen Arbeiten nicht nur eine Abkehr von Illusion und Psychologie, sondern vor allem auch die Konzentration auf eine „leitende Idee“, der sich alle szenischen Zeichen unterzuordnen hatten. Mit einer gewissen Verzögerung und in abgeschwächter Radikalität fegte er auch auf den Opernbühnen den alten Hoftheater-Naturalismus hinweg.

Mit der Anwendung des Gedankens der „leitenden Idee“ auf die Opernregie beginnt auch hier die Epoche des interpretierenden Regietheaters. Das expressionistische Verständnis vom wiedergeborenen Menschen als Individuum und Gemeinschaftswesen hätte zwar an Wagners Siegfried-Figur anknüpfen können, doch die Expressionisten verstanden das Musikdrama als Symbol einer veralteten Epoche, während ein dem Wortlaut der Szenenanweisungen verpflichteter Wagnerianer mit einer expressionistischen Inszenierung eines Musikdramas nur wenig anfangen konnte. Insofern bahnte sich hier ein Konflikt an; allerdings wurde bereits auf dem Höhepunkt des Bühnen-Illusionismus um 1910 ein Unbehagen und ein Bedürfnis nach Stilisierung spürbar.2 ← 171 | 172 →

Ein grundsätzlicher Wandel in der inhaltlichen Deutung von Wagners Ring des Nibelungen fand kaum statt, lediglich eine Veränderung des Stils. Die Aufwertung des Lichts und...

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