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Materialität(en) des Kultur- und Wissenstransfers in prä- und transnationalen Kontexten

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Edited By Michael Gissenwehrer and Katharina Keim

Im Mittelpunkt dieses Bandes steht die Frage nach den materiellen Bedingungen der Entstehung und Übermittlung kulturwissenschaftlicher Praktiken und zentraler fachspezifischer Konzepte bzw. Denkstile vor dem Hintergrund der Buchkultur und deren Übergang zur digitalen Epoche. In überwiegend diachroner Perspektive werden Transfer und Bedeutungswandel von Kulturgütern und Narrationen in Zeit und Raum durch Analyse der Materialität der jeweiligen Medienpraxis untersucht. Das zeitliche Spektrum umfasst dabei epochale Umbrüche im gesamteuropäischen Umfeld um 1700, im deutschen Kontext der Sattelzeit sowie transnationale kulturelle Inszenierungspraktiken der Gegenwart, letztere mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Kultur Chinas.
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Rituale im Parkett. Zur Konstruktion von Zuschauern und Zuhörern in Theater und Konzert

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1. Vorbemerkungen

Beschäftigt man sich mit dem Thema Publikum aus einer wissenschaftlichen Perspektive, so kann es m.E. nicht ausschließlich darum gehen, Einstellungen und Motivationen von Zuschauern und -hörern zu erheben, auch wenn viele Kulturinstitutionen gerade an derartigen Daten Interesse äußern bzw. in stärkerem Maß noch an Daten zu Nichtbesuchern.1

Es muss m.E. vor allem um die jeweiligen historisch determinierten Kon­strukte von Zuschauern – im soziologischen Sinne – gehen, also um die Genese, Transformation und evtl. auch Perspektiven sowie die damit verbundenen Erwartungen, die an das Konstrukt ‚Publikum‘ gerichtet werden, das zudem gerne als eine passive, lethargische, unverständige Masse angesehen wird, die zu belehren, zu erziehen, zu formen, evtl. auch zu unterhalten sei. Dabei mehren sich seit einiger Zeit kritische Stimmen nicht nur hinsichtlich des Publikums, sondern auch hinsichtlich hochkultureller Angebotsformen selbst. So rechnet Hans Christian Schmidt-Banse in seiner Polemik unter dem Titel Stillsitzen und anbeten und nichts verstehen… Das öffentliche Konzert hat abgewirtschaftet mit dem öffentlichen Konzertwesen ab, das für ihn im Koma liegt und bei dem ca. „98 Prozent der Konzertbesucher […] im Sinfoniekonzert weder die Qualität der musikalischen Werke noch die Qualität ihrer Interpretation beurteilen“ ← 187 | 188 → können.2 Als Gründe für den Verfall der Konzertkultur werden produktionsseitig a) ein generelles Überangebot, b) ein auf 50 Werke reduzierbarer Spielplankanon, c) technische Konkurrenz mit hoher Qualität und einfacher Verfügbarkeit, d) die (politische) Instrumentalisierung von Programmen und e) deren Länge und damit...

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