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«Christian Rock» – Unterhaltung oder mehr?

Eine Betrachtung unter kulturanthropologischen und musikwissenschaftlichen Aspekten

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Wolfgang Kabus and Tobias Rux

Fast unbemerkt hat sich Christian Rock zu einem Phänomen entwickelt, an dem weder Musikwissenschaft noch Kirche vorbeikommen. Sein erklärtes Programm ist die Begegnung mit der Welt des Glaubens. Trotzdem wird er beargwöhnt, ja abgelehnt. So versucht der Autor ganz pragmatisch mit verschiedenen Fragestellungen den wirklichen Sachverhalten auf den Grund zu gehen: Was ist unter Christian Rock zu verstehen? Kann er in seiner musikalischen Grundstruktur überhaupt ein Ort der Gottesbegegnung, ein locus theologicus sein, wie seine Vertreter behaupten? Welche Werte transportiert er? Ist er nicht vielmehr von lasziven Kräften gesteuert, als dass er ein Botschafter christlichen Glaubens sein könnte? Sensibilisiert er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunst, Kultur und Theologie, oder ist er nichts weiter als eine christlich-triviale Musizierpraxis zur Unterhaltung der Menschheit? Diesen Fragen wird in musikwissenschaftlichen sowie kulturanthropologischen Auseinandersetzungen nachgegangen.
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3. Christian Rock – christliche Lebensäußerung und kulturelle Qualität?

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In der Musikgeschichte des christlichen Abendlandes war lange Zeit vom Begriff ›Geistliche1 Musik‹ die Rede. Dieser wurde und wird meist als Gegenpart zu weltlicher und als zusammenfassende Bezeichnung für jede Art religiöser Musik gebraucht und schließt die liturgisch gebundene Kirchenmusik mit ein.2 Im Zusammenhang mit traditioneller, kirchlich-gebundener Musik findet er nach wie vor Verwendung. Im populären Musikbereich ist eher von christlicher Musik die Rede, womit die Glaubensrichtung spezifiziert wird. Hier treten auch häufig die Begriffe weltlich (säkular, profan) und christlich in Erscheinung.

3.1 Vorüberlegung: Was ist christliche Musik?

Wann wird von christlicher Musik gesprochen? Jedenfalls dann noch nicht, wenn man sich lediglich mit religiösen Themen beschäftigt. Hinter dem Begriff ›christlich‹ verbirgt sich in der Popularmusik nicht nur eine Auseinandersetzung, sondern auch die Akzeptanz und ein Dahinterstehen. Es ist wichtig, diesen subjektiv-authentischen Zug ernst zu nehmen. In den Popsongs ONE OF US von Eric Bazilian und JESUS HE KNOWS ME von Genesis beispielsweise setzen sich die Künstler lediglich kritisch mit dem Christentum auseinander. Die Thrash-Metal-Band Slayer sowie Black-Metal-Bands beschäftigen sich in ihren Texten auch mit Themen wie Gott, Jesus oder der Bibel, allerdings in der Regel mit ablehnender und blasphemischer Haltung. Das Christliche in der Musik oder genauer die christliche Musik formt sich dann, wenn in einem musikalischen Akt ein Bezug zu Gott hergestellt wird.3 Es hat dann das, was uns zutiefst angeht, zum Gegenstand.4 Dies sollte aus einer inneren Herzenshaltung, aus einem ›F...

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