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«Christian Rock» – Unterhaltung oder mehr?

Eine Betrachtung unter kulturanthropologischen und musikwissenschaftlichen Aspekten

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Wolfgang Kabus and Tobias Rux

Fast unbemerkt hat sich Christian Rock zu einem Phänomen entwickelt, an dem weder Musikwissenschaft noch Kirche vorbeikommen. Sein erklärtes Programm ist die Begegnung mit der Welt des Glaubens. Trotzdem wird er beargwöhnt, ja abgelehnt. So versucht der Autor ganz pragmatisch mit verschiedenen Fragestellungen den wirklichen Sachverhalten auf den Grund zu gehen: Was ist unter Christian Rock zu verstehen? Kann er in seiner musikalischen Grundstruktur überhaupt ein Ort der Gottesbegegnung, ein locus theologicus sein, wie seine Vertreter behaupten? Welche Werte transportiert er? Ist er nicht vielmehr von lasziven Kräften gesteuert, als dass er ein Botschafter christlichen Glaubens sein könnte? Sensibilisiert er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunst, Kultur und Theologie, oder ist er nichts weiter als eine christlich-triviale Musizierpraxis zur Unterhaltung der Menschheit? Diesen Fragen wird in musikwissenschaftlichen sowie kulturanthropologischen Auseinandersetzungen nachgegangen.
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4. Entstehung und Entfaltung des Christian Rock

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Seit der Entstehung des Rock Anfang der 1960er Jahre ist aus jedem eigenen Stil, jeder eigenen Subkultur des Rock ein kulturelles Bezugssystem hervorgegangen. Bedingt durch die den Mersey Beat verbreitenden Bands nannte sich eine Gruppe junger Leute ›Teds‹, eine andere, die ›Mods‹, orientierte sich am ›Rhythm & Blues‹-Zweig des Britisch Beat, den Rolling Stones oder an The Who. Gleichzeitig zelebrierte als ›Rocker‹ eine unterprivilegierte Schicht der Arbeiterklasse den Rock ‘n‘ Roll der 1950er Jahre. Daraus entwickelte sich später eine aus Studenten bestehende Gruppe der britischen Arbeiterjugend, die Hardrock und Metal hörten. Dazu sind auch die Skinheads zu rechnen.1

4.1 Historischer Abriss

Mitte der 1960er Jahre entstand die Subkultur der Hippies, die ihrer Musik psychedelische (zum Beispiel sphärische Sounds) und meditative Elemente (zum Beispiel Sitar) hinzufügten. Diese schnell wachsende Gruppe junger Menschen tat dies im Kontext verschiedener Ereignisse, durch die sie herausgefordert waren, Stellung zu beziehen. Die Ermordung Martin Luther Kings im April 1968, der Vietnam-Krieg und die unübersehbaren sozialen Missstände hatten in amerikanischen Großstädten teils heftige Proteste vieler Studenten zur Folge. Hier beginnt die Geschichte des Christian Rock, der zu diesem Zeitpunkt nur einem kleinen Teil von Eingeweihten bekannt war und den man ›Jesus Rock‹2 betitelte. Später folgte darauf eine Popularisierung christlicher Musikstile und damit auch die Herausbildung neuer Begriffe wie CCM3 und Christian Rock. Jessy Dixon, bekannter Sänger traditioneller Gospelmusik, verwendete letzteren Terminus als einer der Ersten.4 Damit wollte der Songwriter...

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