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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Krisen und Veränderungen

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Auch ein Intellektueller, in dessen Selbstverständnis das Abstandhalten eine zentrale Rolle spielt, muss sich natürlich fragen, welchen Anteil er realiter an welchen kollektiven Identitäten gehabt hat. Nun lassen sich, wie schon gesagt, kollektive Identitäten unter den verschiedensten Gesichtspunkten konstruieren. In Anbetracht der Tatsache, dass ein Individuum in der Regel sich zu einer Ethnie und/oder Nation bekennt, ein Standes- bzw. Klassenbewusstsein hat, möglicherweise einer Religionsgemeinschaft, einer Berufsgenossenschaft oder einer politischen Partei angehört und als Akademiker sich einer wissenschaftlichen Schule zurechnet, kann mit der Beschreibung einer kollektiven Identität immer nur eine Seite einer Persönlichkeit erfasst werden, hat in dieser Modellierung des Begriffs jeder Mensch Anteil an mehreren kollektiven Identitäten.28 Für einen Wissenschaftler dürfte allerdings die Identifikation mit der Gruppe derer, die demselben Forschungsparadigma folgen, denselben epistemologischen Standpunkt einnehmen oder anders ausgedrückt: im selben Diskurs stehen, von besonderer Bedeutung sein. Man wird dann immer noch feststellen können, dass die Wirkungskraft selbst dieser Gruppenzugehörigkeit auf die Ausbildung der personalen Identität bei den einzelnen Individuen als sehr unterschiedlich anzunehmen ist.

Was den Menschen anbetrifft, von dem hier die Rede ist, wollte er diese Wirkungskraft jedoch nicht unterschätzen. R. war, als sich ihm nach mehreren Jahren als Lektor im Verlag der Nation die Chance eröffnete, wenn schon nicht an der Universität, so doch an einer akademischen Forschungseinrichtung angestellt zu werden, neunundzwanzig Jahre alt und also ein typischer ← 31 | 32 → Seiteneinsteiger. Seinem akademischen Lehrer Joachim Müller...

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