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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Dass er den Untergang der DDR nicht bedauerte, sondern glücklich war, dass er nun schreiben konnte, was er wollte, mit dem Geld, das er jetzt verdiente, reisen, wohin er wollte, Zugang zu allen Informationsquellen hatte und alle Bücher kaufen konnte, die ihn interessierten; dass er – ja, die Banane – wenngleich in bescheidenem Maße an dem Wohlstand des Westens teilhaben konnte: die größere Wohnung mit den drei Komma sechzig Meter hohen Wänden, an denen für Bücherregale Platz war, seine Bibliothek aufzunehmen, das neue japanische Auto statt des alten russischen auf dem technischen Stand der 1950er Jahre, das schon hunderttausend Kilometer gefahren war, als er es hatte kaufen können, und das alle paar Wochen seinen Dienst versagte – kurz: er war froh, dass er die DDR überlebt hatte, und gedachte der Freunde und Kollegen, denen das nicht vergönnt gewesen war. Aber in welchem Verhältnis stand er zu den anderen, denen er sich stets als loyaler Staatsbürger gezeigt hatte, der bei aller Kritik an der Politik der SED-Führung, in der sie mit ihm übereinstimmten, doch wohl nie den Eindruck erweckt hatte, dass er, wie sie gesagt haben würden, das Rad der Geschichte in den Kapitalismus zurückgedreht sehen wollte? Die, obwohl sie das Ende der ‚bleiernen Zeit’ der letzten Honecker-Jahre genauso herbeigewünscht hatten, an der sozialistischen Idee festhielten und für den Fortbestand der DDR als eines selbständigen, demokratisch-sozialistisch erneuerten Staates eintraten. Er hatte die Rolle des loyalen Staatsbürgers...

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