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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Philologie – Kulturwissenschaft – Wissen(schaft)sforschung

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„Zu klären wäre erst einmal, mit welchem Begriff von Philologie man in die Diskussion geht. Bringt man den Philologie-Begriff August Boeckhs wieder ins Spiel, der hinsichtlich des ihm subsumierten Objektbereichs selbst schon als Vorgriff auf das gesehen werden kann, was heute als ‚Kulturwissenschaft‘ firmiert? Oder schränke ich ihn – um auf die ‚klassische‘ Philologie-Debatte zurückzukommen, in deren Bahnen mir die Diskussion der Frage immer noch zu verlaufen scheint – im Sinne Gottfried Hermanns76 auf die Wissenschaft von der Bereitstellung und Erschließung von Schrift-Texten einfl In dieser Diskussion um die Bedeutung der Philologie für die Kulturwissenschaft kann es meines Erachtens nur noch um die Philologie als Text-Wissenschaft gehen, da ja das seinerzeit zweifellos avanciertere Boeckhsche Programm durch die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts praktizierte Kulturgeschichte und -soziologie, auf die sich die heutige Kulturwissenschaft vielfach beruft, weitgehend erfüllt wurde. Und es geht um die Kulturwissenschaft im Singular, als welche die Literaturwissenschaften seit den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend betrieben werden und wie sie sich an einigen deutschen Universitäten inzwischen als selbständige Disziplin etabliert hat. (Dass der Plural immer häufiger als Bezeichnung für die bisher so genannten Geisteswissenschaften verwendet wird, unabhängig von der jeweiligen Orientie-rung ihrer Forschung, hat gute Gründe, muss aber hier nicht erörtert werden.)

Was die Philologie angeht, spreche ich ausdrücklich von Schrift-Texten, weil es innerhalb der Kulturwissenschaft bekanntlich auch eine Tendenz gibt, den Text-Begriff auf nicht-literale (und nicht-verbale) Zeichenfolgen...

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