Show Less
Restricted access

Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

Series:

Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
Show Summary Details
Restricted access

Literatur und andere Interessen

Extract

R.s Interesse an den Gegenständen des Schulunterrichts konzentrierte sich frühzeitig auf Sprachen, Literatur, Geschichte und Geographie. Sein Vater sprach Tschechisch so gut wie Deutsch, und die anderen Lieblingsfächer seines Sohnes waren auch die einzigen, von denen er aus seiner Gymnasialzeit so viel behalten hatte, dass er mit R. darüber reden konnte. Weil der 1945, als in der Nachbarschaft immer mehr tschechische Kinder auftauchten, den Wunsch hatte, Tschechisch zu lernen, gab ihm der Vater, der das nicht wollte, stattdessen, ohne ein Buch zur Hand zu haben, Lateinunterricht. Nicht dass R. dann auf der Oberschule von Mathematik und Naturwissenschaften nichts hätte wissen wollen – das Abitur hat er immerhin mit der Gesamtnote ‚Sehr gut’ bestanden –, aber seine Neugier etwa auf die neuesten Forschungsergebnisse der Ägyptologie oder die Formenlehre des Altgriechischen verglichen mit der lateinischen war schon immer größer als sein Interesse etwa an der Konstruktion des Otto-Motors oder der chemischen Zusammensetzung von dessen Treibstoff. Und weil einer das, was ihn weniger interessiert, auch zuerst wieder vergisst, hat R. zwar im Erwachsenenalter noch Auto fahren gelernt, aber, was er über die Funktionsweise einer solchen Maschine lernen musste, gar nicht mehr behalten wollen. In Bezug auf den Computer, mit dem er, solange er nicht auf den falschen Knopf drückt, bei der Suche im Internet und dem Schreiben seiner Texte recht gut zurechtkommt, befindet er sich in der glücklichen Lage, dass er ihn nie hat verstehen müssen, sondern immer von Neuem als Wunder der Technik bestaunen kann...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.