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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Alterserfahrungen

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subsumieren ließe. Höchstens von einer weiteren Verfinsterung seines Weltbilds kann die Rede sein, von einem Weltbild, in dem die menschliche Natur sich in Jahrtausenden nicht verändert hat und alle Züchtungsversuche eines ‚neuen’ Menschen, dem Gewinnsucht und Machtstreben fremd sind, bisher scheiterten. In dem es auf dem Feld der Politik tatsächlich zugeht, wie ‚der kleine Fritz’ sich die Geschichte vorstellt, und R. ← 87 | 88 → nur eben das Glück hatte, den größten Teil seines Lebens in einer Zwischenzeit und Zwischenzone verbringen zu können, in der es keinen ‚heißen’ Krieg gab. Sollte er nicht froh sein, dass, was kommt, seine Zukunft nicht mehr sein wird? Auf diesem Standpunkt muss man politische, soziale, ökologische Fort-schritte da oder dort nicht leugnen, zweifelt man aber an dem letztendlichen Sieg der Vernunft. Nicht nur dass die Vernunft bislang nicht imstande war, sich gegen den von ökonomischen Interessen diktierten Raubbau an der Natur durchzusetzen. Weiß man doch, dass auf dem heutigen Entwicklungsstand der Waffentechnik auch das bloße Versehen oder die Kurzschlusshandlung eines Einzelnen an den Schalthebeln der Macht eine globale Reaktionsspirale in Gang setzen könnte, gegen die die Vernunft nichts mehr ausrichtet. Sie kann selbst in ‚aufgeklärten’ Gesellschaften unterliegen, indem in den Köpfen von Demagogen ausgebrütete fixe Ideen, die ansteckender sind als ein Grip-pevirus, die Gehirne infizieren und eine Massenpsychose erzeugen, in der die Menschen sehenden Auges sich ins Verderben stürzen. Der Eigennutz, die Technik und der Massenwahn als Möglichkeiten der Selbstvernichtung...

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