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Interpretation selbständiger Sätze im Diskurs

Syntax und Intonation in Interaktion

Sebastian Kaiser

Die Bedeutung von Sätzen wird in der Satzmodusforschung im Wesentlichen über syntaktische Operationen abgeleitet. Neben der Wortstellung leistet jedoch auch die Intonation einen wichtigen Beitrag zur Interpretation. Ziel der Arbeit ist zum einen die Beschreibung syntaktischer und intonatorischer Eigenschaften selbständiger Sätze und zum anderen die theoretische Rekonstruktion von Satzinterpretationen auf der Grundlage syntaktischer und intonatorischer Aspekte. Dabei bestimmt die Stellung des finiten Verbs zunächst abstrakt die Gültigkeit des Satzinhaltes in Bezug auf die Diskurswelt. Auf dieser Information operiert die Intonation und signalisiert, ob der Satzinhalt zum Common Ground hinzugefügt werden soll und in welchem Verhältnis der Sprecher zum Satzinhalt steht.
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Syntax und Intonation in Interaktion

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(101) Pasch (1991:200) Wás muß ich ja háben.

Die Variante mit Hutkontur kann aus zwei Gründen keine gewöhnliche Ergänzungsfrage sein: Das Muster der Hutkontur tritt für gewöhnlich nicht in Ergänzungsfragen auf (vgl. Reis 1991a). Zudem tritt die Modalpartikel ja nicht in Fragen auf. Vielleicht lassen sich die indefiniten Lesarten vorangestellter W-Phrasen mit der Funktion der Kontrastsetzung in Verbindung bringen. Nach Speyer (2010) ist die Kontrastsetzung eine mögliche Funktion der Besetzung der Position SpecCP.

Somit sind wesentliche Realisierungen deskriptiv erfasst. Unter Berücksichtigung der tonalen Eigenschaften erscheint eine Abgrenzung der W-Sätze möglich. Schwieriger ist die Erklärung der Befunde. Betrachtet man die Verhältnisse von indefiniten NPn im Mittelfeld des Satzes, so lässt sich folgende Feststellung treffen: Indefinite Nominalphrasen dürfen in existenzieller Lesart nicht scramblen. Lässt der Satz jedoch eine generische Lesart zu, ist die Bewegung über das Adverb in den Hintergrundbereich (B-Part) möglich. Einen obszönen Witz darf scramblen, wenn sich die NP über den VP-Grenzmarker immer hinweg bewegt (vgl. Lenerz 2001):

(102) Lenerz (2001:130) Wem erzählt Peter einen obszönen Witz? Peter erzählt [einen obszönen Witz] immer einem Schulfreund.

Vielleicht verhalten sich W-Phrasen in situ ähnlich. Stehen sie unbetont in situ im F-Part, werden auch sie existenziell interpretiert und es resultiert eine indefinite Lesart. Die Voranstellung in die B-Part Position SpecCP führt dazu, dass entgegen der Konvention ein offener Satzgegenstand...

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