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Wales

Die Entdeckung einer Landschaft und eines Volkes durch deutsche Reisende (1780-1860)

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Michael Maurer

Wales – Region oder Nation? Jahrhundertelang sah man in Wales nur eine europäische Randlandschaft. In Großbritannien fallen die Waliser auf mit Selbständigkeitsbestrebungen. Diese Textsammlung dokumentiert, wie Wales in den Gesichtskreis der Europäer getreten ist. Deutsche Reisende seit dem späten 18. Jahrhundert begannen sich für Wales zu interessieren als eine alpine Landschaft, die ihrer gesteigerten ästhetischen Sensibilität für das Pittoreske und Sublime entsprach. Unter den frühen Wales-Reisenden sind berühmte Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Carl Gustav Carus. Während die meisten Wales nur kurz auf ihrer Durchreise berührten, treffen wir mit Julius Rodenberg 1856 den ersten Deutschen, der sich unter Walisern niederließ, ihre Sprache erlernte und ihre Lieder sammelte. Berichte aus romantischen Zeiten, als man Wales aber schon mit der Eisenbahn erreichen konnte.
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„Die Alpengegenden von Nordwales traten im Nebel hervor“

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Christian August Gottlieb Goede (1803)

[…] Es war eine ganz dunkle Nacht, und die Gesellschaft hatte sich aus verschiedenen Gasthöfen im Finstern zusammen gefunden, ohne sich zu sehen. Dies gab zu einer scherzhaften Unterhaltung Veranlassung, die uns alle wach erhielt, und den Morgen so schnell herbeiführte, daß ich nie eine Nacht angenehmer in einer Englischen Landkutsche zugebracht habe. Die Gesellschaft bestand aus einem jungen, Englischen Officier, einer bejahrten Dame, einem wohlbeleibten Geschäftsmanne und einem ältlichen Herrn. Dieser letztere vermied, ungeachtet man ihn in das Gespräch zu ziehen suchte, alle Theilnahme an demselben. Jene drei reisten nach Irland, und als sie erfuhren, daß ich auch dahin zu gehen gedachte, fanden sie meinen Entschluß, vorher noch eine Zeitlang in Nordwales zu bleiben und die Gegend und das Welsche Volk zu sehen, höchst abentheuerlich.

Als der Morgen anbrach, fuhren wir durch Oswestry, eine wohlgebaute Stadt. Sechs Meilen hinter dieser erhält man eine reizende Ansicht von Chirk Castle, welches mitten in einer weiten romantischen Gegend auf einem hohen, mit Wald bewachsenen Berge stehet, und mit seinen großen, gewaltig starken Türmen und hohen Mauern in weiter Ferne gesehen wird.

Nun öffneten sich immer schönere, größere Aussichten in weite Felsenthäler und die Alpengegenden von Nordwales traten im Nebel hervor. Das Wetter war indessen sehr unfreundlich geworden; finstere Wolken senkten sich an den Bergen herunter und ein Sturmwind rauschte durch die Wälder des Thales. Wir näherten uns jetzt dem...

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