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Wales

Die Entdeckung einer Landschaft und eines Volkes durch deutsche Reisende (1780-1860)

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Michael Maurer

Wales – Region oder Nation? Jahrhundertelang sah man in Wales nur eine europäische Randlandschaft. In Großbritannien fallen die Waliser auf mit Selbständigkeitsbestrebungen. Diese Textsammlung dokumentiert, wie Wales in den Gesichtskreis der Europäer getreten ist. Deutsche Reisende seit dem späten 18. Jahrhundert begannen sich für Wales zu interessieren als eine alpine Landschaft, die ihrer gesteigerten ästhetischen Sensibilität für das Pittoreske und Sublime entsprach. Unter den frühen Wales-Reisenden sind berühmte Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Carl Gustav Carus. Während die meisten Wales nur kurz auf ihrer Durchreise berührten, treffen wir mit Julius Rodenberg 1856 den ersten Deutschen, der sich unter Walisern niederließ, ihre Sprache erlernte und ihre Lieder sammelte. Berichte aus romantischen Zeiten, als man Wales aber schon mit der Eisenbahn erreichen konnte.
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„Die Poesie einer ganzen Nation lag auf einmal vor mir offen…“

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Julius Rodenberg (1856)

Am andern Mittage begab ich mich an die Docks hinunter, um meine Reise nach Wales anzutreten. Es war ein sonnig klares Herbstwetter, der Himmel rein und in seiner ganzen Tiefe blau, das Waßer golden durchstrahlt und die Landschaft dahinter vom feinsten Duft überhaucht. Auf dem Fluße herrschte wieder das rege Treiben, welches in dieser klaren Stunde durchaus heiter erschien. Am Ufer lagen drei oder vier Dampfböte so dicht neben einander, daß man von dem einen auf das andre bequem hätte hinüberschreiten können; sie waren alle von einer bunten und lebhaften Menge besetzt, von denen die Meisten nur die kurze Fahrt nach der einen oder andren Station des gegenüberliegenden Ufers beabsichtigten. In der Mitte des Stromes jedoch lichtete ein Segelschiff die Anker, und der Wind trug den Abschiedsgesang der Matrosen zu uns herüber. Diese halb wehmuthsvollen, halb hoffnungsreichen Klänge wurden sogleich wieder von einem Dampfer übertönt, welcher mit Blechmusik an Bord den Strom lustig hinaufzog, und da nun allmälig auch ein Boot nach dem andern, zuletzt auch das, worauf ich mich befand, vom Ufer stieß, so war plötzlich das Bild, welches mein Geist mit so verschiedenen Eindrücken beschäftigt hatte, verschwunden und der nächste Augenblick sah neue Schiffe und neue Menschen kommen und gehen. Ich indessen schwamm schon auf der Breite des Stromes und erfreute mich an dem, was zu beiden Seiten die malerischen Ufer boten. Rechts Liverpool und in seinen Docks...

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