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Jugendsprachen

Stilisierungen, Identitäten, mediale Ressourcen

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Edited By Helga Kotthoff and Christine Mertzlufft

Sprachverhalten – von Kiezdeutsch bis zur Schreibstilistik von Mädchen auf Internetplattformen – gerät in diesem Beitrag zur Jugendsprachforschung als soziale Positionierungsaktivität in den Blick. Jugendliche nutzen ihr Wissen um kommunikationsstilistische Zuordnungen vielfältig, um sich als ein bestimmter Typus zu entwerfen, aber auch, um soziale Typen zu zitieren, zu karikieren und mit Zuordnungen zu spielen. Die deutschen und englischen Beträge dieses Bandes zeigen ein weltweites Spektrum. In vielen Ländern sind Sprech- und Schreibstile entstanden, bei denen Jugendliche Sprachen mischen und Regelverletzungen zur situativen Gebrauchsnorm einer Clique werden lassen. Junge Italo-Deutsche geraten mit ihrem Varietätenspektrum ebenso ins Blickfeld wie Studierende aus Ghana und SchülerInnen aus den USA, Dänemark und Georgien. Jugendliche haben in den Textsorten der sozialen Internetzwerke Schreib- und Bildstilistiken entwickelt, die nicht nur eigenwillig sind, sondern in ihrer Normferne wieder neue Normen konstituieren.
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Virtuelle Inszenierung und soziale Funktion des sprachlichen Kindchenschemas in Mädchenfreundschaften

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Martin Voigt

Abstract

Der vorliegende Beitrag untersucht die standardisierte Semiotik des 'Niedlichen' in der schriftsprachlichen Online-Kommunikation 12- bis 16-jähriger Schülerinnen, die in sozialen Netzwerken Mädchenfreundschaften öffentlich ausgestalten. Vorgestellt werden die graphemischen Mittel, die einer emotionalen und kindlichen Inszenierung dienen; dazu gehören z.B. die Verschriftlichung einer aufgeregt szenischen Erzählweise, besondere Text-Bild-Relationen und sprachliche Verfahren der Unsicherheitsmarkierung. Deutschlandweit zugängliche Profile und Gästebücher bieten die Chance, emergente Standardisierungen im kollektiven Querschnitt zu erkunden.

1 Einleitung

Soziale Medien sind Bühnen, auf denen Mädchen sich als sozial erfolgreiche Akteurinnen inszenieren. Ein hübsches Aussehen, eine beste Freundin und Beliebtheit in einer Clique gehören zum adäquaten Online-Auftritt. Rund um die Uhr scheint Kontakt zur Peergroup zu bestehen und die Möglichkeit, im Beziehungsgeflecht der Jahrgangsstufe zu interagieren. Stete Vergleichbarkeit und hohe Emotionalisierung der inszenierten Freundschaften prägen die Interaktionen.

Auf Profilfotos wird Gefühl als Geste (Umarmung, Kuss) und als Mimik (niedliche Schnute, Kulleraugen) inszeniert. Analog kommunizieren sie Gefühle im Text sowohl inhaltlich mit Beziehungsphrasen (ich liebe dich für immer&&ewig)1 als auch über emotive Signale auf sprachlicher Ebene, die den Stil einer kulleräugigen Niedlichkeit evozieren. Sämtliche Effekte dieses Stils sollen nicht nur Gefühle bei der Freundin auslösen, sondern auch als soziale Marker selbstreferentiell auf den so kreierten Typus Schulmädchen mit allerbester Freundin verweisen. Die Frage, wie intime Gefühlskommunikation und das...

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