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«Top-Spion» oder Opfer der deutsch-deutschen Wiedervereinigung?

Der Abgeordnete Gerd Löffler zwischen DDR-Geheimdienst und Hamburger CDU

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Wolfgang Schulenberg

Die Enttarnung des Hamburger Parlamentariers Gerd Löffler als Agent 1990, seine Flucht nach Österreich 1991, seine Verschleppung auf deutsches Gebiet durch bayerische Grenzbeamte 1994 und seine Verurteilung waren mediale Sensationen. Löffler hat sich in der Folge als Kundschafter des Friedens dargestellt, als Opfer. Jetzt ist Löfflers Kooperation mit der Militäraufklärung der Nationalen Volksarmee ebenso durchleuchtet worden wie der eventuelle parteipolitische Hintergrund seiner Einstufung als Top-Spion, seiner Verhaftung und Verschleppung. Die interdisziplinäre Analyse vereinigt Aspekte aus Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft, Hamburger Spezifika und rechtspolitisch Grundsätzliches zur Bewältigung der DDR-Vergangenheit. Der Verfasser hat mit Löffler kommuniziert, aber die kritische Distanz gewahrt.
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3 Fazit

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3Fazit

Wenn ein Romanautor einen dem Löffler-Fall entsprechenden Plot über einen Spion im Kalten Krieg mit allen hier dargestellten Besonderheiten erfunden hätte, wäre er wohl als unglaubwürdig eingestuft und in das James-Bond-Genre einsortiert worden. Doch die hier rekonstruierte Geschichte ist wahr. Sie ist keine fiktive Geschichte, sondern Teil der realen. Gewiss mögen, wie fast immer in solchen Fällen, eine Reihe von Moasiksteinen fehlen, aber sehr viel tiefer als hier wird die historische Forschung auch in Zukunft wohl nicht gelangen.

Der „Fall Löffler“ ist einerseits typisch, passt andererseits aber auch nicht in alle bisher geschaffenen Raster. Er ist ein Fall von vielen und gleichwohl unter manchen Aspekten ungewöhnlich. Er hat einige Aufmerksamkeit erregt, auch die von Wissenschaftlern, die historisch arbeiten. Und dabei entsprach Löffler dem klassischen Schema des „Top-Spions“ in keiner Weise. Unter diesem Aspekt hat es keinen Sinn, seine politische Bedeutung über Gebühr herauszustreichen. Eher handelt es sich im Kleinen auch um eine deutsche Geschichte, um eine Geschichte im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, wie sie durch das besondere Zwei-Staaten-Verhältnis charakterisiert wurde. Es ist aber auch die Geschichte des Verrats für Geld.

Der „Fall Löffler“ wirft dabei aber auch die Frage auf, wie ein Staat mit denen verfahren soll, die ihn für einen anderen Staat verraten haben, der weder recht In- noch Ausland war und der schließlich ohne Gewalt durch seine eigenen Bürger den Anschluss zu bewerkstelligen verstand....

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